Tag der Schiene

Ein Braunschweiger Eisenbahnfreund und Bebra - eine lebenslange Verbindung

Siegfried Matuschak während des Vortrages sowie am Ende bei der Übergabe des Sandgemälde zusammen mit Patrick Rehn.
Fotos: privat

22.09.2022 / BEBRA - Seit über 170 Jahren gibt die Eisenbahn in Bebra den Takt an, sorgte für die Entwicklung vom Dorf zur Stadt und ist immer noch Arbeitgeberin für mehrere hundert Menschen in der osthessischen Kleinstadt. Im Rahmen des bundesweit durch die Allianz Pro Schiene ausgerichteten Tags der Schiene kam der in Braunschweig geborene Autor und Fotograf Siegfried Matuschak wieder nach Bebra, wo er nach eigenen Worten stets den "roten Teppich" ausgerollt bekommt.

Anschaulich schilderte er im Rahmen eines Foto- und Diavortrags, das Anfang der 1970er Jahre bevorstehende Ende der Dampflokzeit: In Braunschweig unterhielt die Deutsche Bundesbahn das letzte Ausbesserungswerk für die "schwarzen Riesen". Er fotografierte dort die zu den verschiedenen Reparaturen und Untersuchungen ein- und ausfahrenden Loks und begleitete sie mit der Kamera auf ihren Probefahrten. 

1972 erste Station in Bebra

Auf der Rückkehr von einer - wie er selbst sagte - "Fotosafari in den Schwarzwald" machte er 1972 das erste Mal Station in Bebra: Nachdem die Strecken in Richtung Göttingen, Kassel und Fulda bereits seit den 1960er Jahren von Elektroloks und -triebwagen befahren wurden, waren die Interzonenzüge in die ehemalige DDR damals noch mit Dampfloks der Deutschen Reichsbahn bespannt.

1974 wurde die bekannte Denkmallok 01 1102 nahe dem Bahnhof in der Grünanlage "An der Bleiche" aufgestellt. Besonders in der Dunkelheit wirkte der mit Strahlern beleuchtete Koloss faszinierend, tausende Reisende sahen die Lok vom Zugfenster aus. Siegfried Matuschak und zwei Freunde fassten - nachdem man sich die Lok "etwas näher" angeschaut hatte - 1977 den Entschluss, die Lok von ihrem etwas "fantasievollen" Farbkleid zu befreien und sie so zu lackieren, wie es für die Dampfloks der Deutschen Bundesbahn richtig und vorgesehen war. Über mehr als drei Jahre investierten die jungen Männer aus Norddeutschland sowie einige Helfer aus der Region in ihrer Freizeit mehrere tausend Arbeitsstunden und erhielten nicht nur von der Stadt Bebra, sondern auch deren Bürgerinnen und Bürgern viel Unterstützung. 

Besucher begeistert

Matuschak gelang es, die Besucherinnen und Besucher im Fürstenzimmer des Bahnhofs Bebra in ungläubiges Staunen zu versetzen, mit welch einfachen Mitteln und einer gehörigen Portion des mittlerweile schon fast berühmten "Bebraer Pragmatismus" die Arbeiten umgesetzt und zum Abschluss gebracht werden konnten. Die Besucherinnen und Besucher zeigten sich begeistert und bereicherten den Vortrag Matuschaks mit der ein oder anderen Information - denn manche von ihnen waren noch selbst als Dampflokführer von Bebra aus in alle Himmelsrichtungen gefahren. Mit demzufolge höchst unterhaltsamen "Verzögerungen im Betriebsablauf" von etwa 30 Minuten endete der Vortrag gegen 21:30 Uhr.

Der Bebraer Lokführer Patrick Rehn hatte Siegfried Matuschak nach Bebra eingeladen und den Vortrag zusammen mit einigen Freunden und Unterstützung der Stadtentwicklung Bebra organisiert. Als kleine Anerkennung für die in die Restaurierung der Lok, aber auch die Ausarbeitung und Vorbereitung des Vortrages investierte Zeit erhielt er abschließend ein Sandgemälde, welches das bekannte Wandbild der 01 1102 am Bebraer Rathausmarkt zum Vorbild hat. (pm) +++