Keine Reaktion auf die Energiekrise!

Reine Vorsorge: Zwei Notstromaggregate garantieren die Wasserversorgung

Gruppenbild am Tiefbrunnen (von links): Ralf Jost, Bürgermeister Timo Zentgraf, Martin Heun von der RhönEnergie, Technischer Betriebsleiter Stephan Hahn, Jürgen Aschenbrücker und Heiko Schleicher
Fotos: Carina Jirsch

22.09.2022 / KÜNZELL - Die Nachricht, dass die Gemeinde Künzell (Kreis Fulda) mit zwei Notstromaggregaten in Zukunft die Wasserversorgung sicherstellen möchte, führt zurzeit unweigerlich zu einer reflexartigen Überlegung: Ach, du liebes Lieschen, ist denn die drohende Energiekrise schon in Osthessen angekommen? "Weit gefehlt", versicherte Bürgermeister Timo Zentgraf am Mittwochmorgen bei einem Pressetermin, "die Planungen dafür reichen bereits zurück ins Jahr 2018 – da waren die aktuellen Entwicklungen noch überhaupt nicht abzusehen."

Wir treffen Timo Zentgraf und eine kleine Abordnung von Mitstreitern und Gemeindeangestellten an einem kleinen, schmucklosen weißen Kastenbau an der "Hinterburg" mitten in einem Künzeller Wohngebiet. Dort nimmt demnächst eine von zwei sogenannten "Netzersatzanlagen" die Arbeit auf. Eine zweite steht im Hochbehälter Tannen, wo der Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg seinen Sitz hat. Mit ihrer Leistung von über 180 PS sind die beiden Anlagen in der Lage, auch bei Stromausfall jeden Künzeller und jede Künzellerin zwei Wochen lang mit 50 Litern Wasser am Tag zu versorgen.

"Unser Problem ist, dass alle neun Tiefbrunnen in der Gemeinde an eine einzige Stromtrasse angebunden sind", erklärt Zentgraf. "Zweimal hatten wir durch umgestürzte Bäume schon kurzzeitige Ausfälle – höchstens mal 90 Minuten. Die Bäume entlang der Stromtrasse wurden auch schon zurückgeschnitten. Mit den beiden Notstromaggregaten sind wir nun aber auf der sicheren Seite."

Die Anschaffung im Wert von etwa 260.000 Euro geht zurück auf eine Initiative der Bundesregierung vor ein paar Jahren, die das Projekt zur Hälfte mitfinanziert. "Damals ging das los mit den Anschlägen, als Terroristen in Menschenmengen reingefahren sind", erläutert Stephan Hahn, Technischer Leiter des Zweckverbandes. "Hochwasser, Dürren, Cyber-Attacken … Irgendwie muss man sich vorbeugend vor solchen Szenarien schützen."

Letztlich aber hoffen Stephan Hahn und Bürgermeister Zentgraf, dass die beiden Anlagen nie zum Einsatz kommen müssen. "Aber das ist wie bei der Feuerwehr", sagt Zentgraf, "wenn’s dann doch mal brennt, ist man froh, irgendwo ein Feuerwehrauto stehen zu haben." Und Stephan Hahn ergänzt: "Und wenn es doch einmal gebraucht wird, appellieren wir dringend an die Bevölkerung: Dann ist Wassersparen angesagt!" (mw) +++