Nachdreher SG Barockstadt

Symbole des Höhenflugs: Gaudermann und Ganime, Arbeiter hinter der Bühne

Eric Ganime (r.) ist ein Garant für den SGB-Höhenflug
Foto: Memento36

18.09.2022 / FULDA - Glücksgefühle machten sich allenthalben breit am Freitagabend im Auestadion. Jedenfalls bei denen, die es mit der SG Barockstadt Fulda-Lehnerz hielten. Mit dem 3:0 beim KSV Hessen hatte sie ihre kleine Erfolgsgeschichte weitergeschrieben in der Regionalliga Südwest: Elf Punkte sammelte die SGB aus ihren letzten fünf Spielen. Mehr noch: Sieben Zähler sind es nach den Partien der Englischen Woche. 3:1 in Homburg, 0:0 gegen Trier - und jetzt 3:0 in Kassel. Gegen Gegner, die "keine Laufkundschaft" sind. Wer hätte das vor Beginn der Saison gedacht und sich mit solch tollen Bilanzen anfreunden wollen?

Am Vormittag danach erwischen wir Sedat Gören im Auto. Er ist auf der Fahrt nach Offenbach. Zum Spiel des OFC gegen den FC Homburg. "Wir spielen in zwei Wochen gegen Offenbach", sagt Barockstadts Trainer. Typisch Gören: Ein akribischer Arbeiter. Ob Gegner-Beobachtung oder Arbeit mit der Mannschaft. Was auch immer. Seine Wahrnehmung des Vergleichs in Kassel und dessen Einschätzung hat sich, auch nachdem er einige Stunden darüber schlafen konnte, nicht geändert.

Gute Ballstafetten - überragendes Positionsspiel

"Eine tolle, überragende Leistung". Bis er im gleichen Atemzug das Schwärmen etwas einstellt. "Eine solide Leistung in allen Belangen". Das trifft es besser. Recht hat der Coach auch damit: "Wenn sich der Gegner nur ein, zwei gute Möglichkeiten erspielt, spricht das für uns." Für gutes Rückzugsverhalten, gute Defensivarbeit als Team, zeitiges Schließen der defensiven Räume. Noch eines möchte er loswerden: "Am meisten gefreut hat mich, dass wir in der zweiten Halbzeit nach unserer 2:0-Führung gute Ballstafetten gezeigt haben - als Kassel gepresst hat. Unser Positionsspiel war überragend." Stimmt.

Und Gören legte nach, was Stabilität, Zuverlässigkeit und Entwicklung seines Teams betreffen. "Dass wir zum Abschluss dieser sieben Tage noch einmal solch eine Energie-Leistung auf den Platz bringen. Imponierend. Das macht mich stolz. Eine überragende Leistung." 

Gaudermann lebt seinen Drang nach vorn - schließt aber auch defensive Räume

Symbolfiguren des Aufschwungs sind - neben der Achse Grösch, Frey, Schaaf und Pomnitz - Spieler, die eher nicht so im Rampenlicht stehen. Eric Ganime und Kristian Gaudermann. "Ich denke, dass ich ganz gut mit der Mannschaft harmoniere", sagte Gaudermann kurz nach Abpfiff im Auestadion. Auf der Position des rechten Verteidigers belebt der Neue vor allem das Spiel im Ballbesitz. Auch in Kassel hatte er dort gute Szenen. "Ich habe einen guten Drang nach vorne", ergänzte er, "manchmal muss ich mich ein bisschen bremsen, um die Luft nach hinten zu haben." Auch im defensiven Umschalten schließt er gut die Räume. Seit dem dritten Saisonspiel ist er nicht aus dem Team wegzudenken.

Ähnliches gilt für den Ex-Neuhofer Eric Ganime, der in der Winterpause zur SGB stieß. Ein guter Schachzug des Trainers, ihn auf die Sechs zu beordern. "Sehr beweglich. Sehr kopfballstark", lobt der Coach. Nicht nur das. Ganime besitzt eine ausgeprägte Spielintelligenz, sich in richtigen Räumen zu bewegen. Mal vor der Abwehr, mal weiter vorn als Anspielpunkt - und selbst bei zweiten Bällen. Und das Beste: Er versucht, jede Situation fußballerisch zu lösen. Ganime ist zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle. "Ein Arbeiter hinter der Bühne", verpasst ihm Gören ein treffendes Etikett. Manchmal vermischen sich Fußball, Kunst und Poesie ein bisschen. (wk) +++

Sedat Gören

Kristian Gaudermann (links)
Archivfoto: Jonas Wenzel/yowegraphy