Konsumzurückhaltung schon jetzt zu spüren

"Gastgewerbe bedroht": Geplante Corona-Maßnahmen und steigende Kosten

Die Konsumzurückhaltung der Kunden sei laut der DEHOGA Hessen schon jetzt zu spüren.
Symbolbild: O|N / Carina Jirsch

07.08.2022 / REGION - Geplante Corona-Maßnahmen für den Herbst, explodierende Kosten bei Gas und Strom: Die aktuelle Situation belastet Gastronomiebetriebe massiv. Das bestätigt die DEHOGA Hessen durch eine Umfrage bei rund 500 Unternehmen im Gastgewerbe. Bereits jetzt spüren davon 62 Prozent der Restaurants, Hotels, Cafés, Bars und Gasthäuser die Konsumzurückhaltung der Gäste.

Dennoch habe die Branche im Juli 2022 erstmals wieder stabile Umsätze erreicht - diese bringen aber keinesfalls eine wirtschaftliche Erholung: "Durch geradezu explodierende Kosten steigt der Druck auf die Betriebe weiter an. Durchschnittlich sind Lebensmittel in der Branche um 26 Prozent, Personalkosten um 17, Stromkosten um 42 und die Kosten für Gas sogar um 66 Prozent im Juli 2022 gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen", lauten die alarmierenden Zahlen der DEHOGA.

Sorge wegen Corona-Maßnahmen für den Herbst

Durch das neue Corona-Maßnahmenpaket, welches am Mittwoch in Berlin erlassen wurde, steigt die Sorge bei den hessischen Gastronomen weiter an. Denn ab Herbst sehen die Maßnahmen für Hotellerie, Gastronomie, Clubs und Discotheken, eine Maskenpflicht, erneute Kontrollen des Impfstatus und vielleicht sogar Abstandsgebote und Begrenzungen von Personenanzahlen bei großen Veranstaltungen vor. "Wir sind zwar froh darüber, dass es eine klare Absage an Lockdowns gibt, gar keine Frage. Die Maskenpflicht ist mit Sicherheit ein mildes Mittel. Sie wird zudem am Platz wieder abgenommen. Aber es sind viele wichtige Fragen aktuell vollkommen offen. Es geht schließlich nicht nur um den Restaurantbesuch, sondern auch um Familienfeiern oder Clubveranstaltungen", so Gerald Kink, Präsident des DEHOGA Hessen. Impf- und Genesenennachweise kontrollieren, damit auf eine mögliche Maskenpflicht verzichtet werden könnte, bedeutet für die Gastronomie wieder einen immensen Aufwand. Die personelle Situation sei schon angespannt genug. 

Der aktuelle Maßnahmen-Entwurf sieht vor, dass die Länder, wie bereits in der Vergangenheit - schärfere Regeln erlassen können, gerade bei steigenden Infektionszahlen. "Derweil habe sich die Mehrheit der Menschen an ein weitestgehend beschränkungsfreies Leben gewöhnt. Es herrscht eine allgemeine Müdigkeit, ja Ablehnung wiederholter Einschränkungen", so die Beobachtungen des Verbandes.

"Können wir nicht akzeptieren"

Die vom Bundesjustizminister angemahnte Verhältnismäßigkeit sei entscheidend. Dazu brauche es aber belastbare Erkenntnisse. Gerald Kink: "Wir erleben seit Monaten, dass die Inzidenz allein als Mittel ausgedient hat. Abwasseruntersuchungen wie in anderen Ländern sind jedoch flächendeckend in Hessen bisher gar nicht möglich. Auf Gutdünken also mögliche Maßnahmen wie Maskenpflicht, Abstandsgebote und Kontrollverpflichtungen über das Gastgewerbe zu verhängen, können wir nicht akzeptieren."

Die Branche kämpfe aktuell mit wachsender Konsumzurückhaltung bei gleichzeitig explodierenden Kosten. "Wir sehen derzeit nicht, dass es erneute Hilfsprogramme geben soll, und die dringende Auszahlung der Coronahilfen aus den vergangenen Monaten zieht sich außerdem in die Länge."

Oktoberfest ohne Einschränkungen - aber Impfstatus im Frankfurter Club?

Laut der DEHOGA Hessen müsse jetzt alles unternommen werden, damit es gar nicht erst zur Einscheidung über solche Maßnahmen im Hessischen Landtag kommt. "Denn die wären für die Branche in mehrfacher Hinsicht fatal. Außerdem gelte es dringend, einen erneuten Flickenteppich an Regelungen in den Bundesländern zu vermeiden", so Kink.

"Wie soll man erklären, dass das Oktoberfest – nach dem just bekundeten klaren Willen der Stadt München – ohne jede Einschränkung stattfindet, während in einem hessischen Restaurant und im Frankfurter Club der Impfstatus geprüft werden muss?", mahnt der Präsident des DEHOGA Hessen. (ld) +++

Gerald Kink.
Foto: DEHOGA Hessen

Symbolbild: O|N / Carina Jirsch