Vorsitzender vom CDU-Stadtverband

Jan Saal (33) im O|N-Interview über Friedrich Merz, die "CDU-pur" und Träume

Jan Saal ist Vorsitzender vom Stadtverband der CDU in Bad Hersfeld
Fotos (2): privat

25.01.2022 / BAD HERSFELD - Mit einem fulminanten Ergebnis haben die Delegierten der CDU beim digitalen Parteitag Friedrich Merz (67) zu ihrem neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Sie folgten dem Votum einer Mitgliederbefragung. Mit 94,62 Prozent sorgten die Delegierten dafür, dass selbst dem neuen Bundesvorsitzenden ein wenig die Stimme versagte und ein paar Tränchen kullerten. Mit Merz (67) wollen die Christdemokraten in ihrer Oppositionsrolle im Bundestag neue Kraft schöpfen. Er soll die CDU wieder in die Erfolgsspur führen.

Für Jan Saal ist Merz ganz klar die richtige Wahl. Der 33-jährige Gymnasiallehrer ist neuer Vorsitzender beim Stadtverband der CDU in Bad Hersfeld, sitzt im Stadtparlament und im Kreistag. Saal unterrichtet derzeit an der Gesamtschule in Schenklengsfeld Chemie und Sport. Seine Hobbys sind Sport (Skifahren, Fahrradfahren und Kraftsport), Fotografie und Filme.

In unserem OSTHESSEN|NEWS-Interview beschreibt Saal unter anderem seine Vorstellungen von der zukünftigen Arbeit der CDU auf Bundesebene, wie er die jungen Menschen für seine Partei begeistern will und wieso Karsten Backhaus der richtige Bürgermeister für Bad Hersfeld sei.

Nach der für die CDU enttäuschenden Bundestagswahl will sich die CDU neu aufstellen. Zum dritten Mal in vier Jahren wählt die CDU einen neuen Bundesvorsitzenden. Ist Friedrich Merz die richtige Wahl für den Neuanfang der Christdemokraten?

Jan Saal: Ein ganz klares Ja! In meinen Augen ist Friedrich Merz der richtige Kandidat, um der CDU wieder das nötige konservative Profil zu geben, für das die CDU steht, ohne dabei den gesellschaftlichen Wandel und den technologischen Fortschritt außer Acht zu lassen.

Wie muss sich die CDU aus Ihrer Sicht inhaltlich aufstellen?

Jan Saal: Die CDU muss die großen Probleme in diesem Land wieder gezielt ansprechen und dafür Lösungen finden. Bezahlbare Mieten und Energiepreise, eine sinnvolle Energie- und Mobilitätswende, aber auch die Rentenfrage endlich angehen, die besonders viele junge Menschen beschäftigt. Die Menschen wollen Sicherheit und Stabilität, dafür muss und wird die CDU ein Angebot haben.

Wie sehen Sie die künftige politische Kultur und damit die Oppositionsrolle der CDU?

Jan Saal: Die CDU wird als größte Oppositionspartei der Ampel-Koalition selbstverständlich genau auf die Finger schauen und alle Prozesse kritisch begleiten. Häufig wurden Positionen der CDU in der Regierung durch Kompromisse mit dem Koalitionspartner verwässert (das ja auch richtig und wichtig ist in einem demokratischen Prozess). In der Opposition kann die Partei unter Friedrich Merz "CDU pur" zeigen und klare Gegenpositionen zur aktuellen Regierung klarmachen, damit die Menschen wieder erkennen, wofür diese Partei eigentlich steht.

Sie haben den Vorsitz beim CDU-Stadtverband Bad Hersfeld übernommen. Mit 33 Jahren sind Sie ein junger Politiker. Wird sich die künftige Parteienarbeit an der Basis verändern? Ticken junge Leute anders?

Jan Saal: Ich denke es ist selbstverständlich, dass jeder Vorsitzende seine eigene Idee der Parteiführung mit einbringt. Mein Ziel ist es, die Mitglieder stärker in Entscheidungsprozesse, die sowohl auf Kommunaler wie auch auf Landes- und Bundesebene stattfinden, einzubinden. Dahingehend wird sich die Parteiarbeit schon ein stückweit verändern. Darüber hinaus sollen digitale Formate über die sozialen Netzwerke besonders junge Menschen erreichen. Gerade bei jungen Leuten findet heute vieles digital statt und dem muss eine Partei auch gerecht werden.

Wie nehmen Sie das politische Interesse junger Menschen wahr?

Jan Saal: Es zeigt sich immer wieder, dass junge Menschen sich mit einzelnen Themen besonders intensiv auseinandersetzen. Das prominenteste Beispiel ist der Klimawandel. Aber auch schon viel naheliegendere Themen wie die Ausstattung unserer Schulen, Busverbindungen oder die Möglichkeit abends wegzugehen (ohne dabei in die nächste Großstadt fahren zu müssen) werden diskutiert. Das Interesse ist da, allerdings ist die Hürde sich dafür in einer Partei zu engagieren für viele zu hoch.

Wie wollen Sie die jungen Wähler für die CDU begeistern?

Jan Saal: Ich glaube, dass die CDU per se gar nicht so unattraktiv für junge Wähler ist, wie es die Wahlergebnisse unter Jungwählern vermuten lassen. Die CDU hat eher ein kommunikatives Problem ihre Inhalte und Überzeugungen rüberzubringen. Gerade die Junge Union befasst sich fast ausschließlich mit den Themen junger Menschen und bringt diese in der CDU mit ein. Nur kommt dies leider häufig nicht bei den jungen Wählern an. Das müssen wir ändern.

Coronavirus-Pandemie, Medizin, Klimawandel, Digitalisierung, Fernbahnhof, Kultur, Handel und Logistik sind einige der wichtigen Themen: Wenn Sie von Bad Hersfeld im Jahr 2030 träumen, wie stellen Sie sich "Ihre" Stadt Bad Hersfeld vor?

Jan Saal: Wenn ich mir Bad Hersfeld 2030 vorstelle, dann gibt es einen lebendigen Einzelhandel mit viel individueller Auswahl, eine Fußgängerzone, die vor dem Besuch der weiterhin erstklassigen Festspiele zum "bummeln" einlädt, keine desolaten Straßen mehr, weiterhin den ICE-Halt in Bad Hersfeld mit einem Bahnhof der in Zukunft ein Aushängeschild von Hersfeld ist und eine gute medizinische Versorgung durch unser Klinikum und ausreichend Haus- sowie Fachärzte. Bad Hersfeld soll eine sichere Stadt sein, in der sich die Menschen wohlfühlen, mit vielfältigen Arbeitsplätzen, attraktivem und bezahlbarem Wohnraum und familienfreundlichen Angeboten, insbesondere zur Naherholung.

Mit Schulleiter Karsten Backhaus hat sich der Vorstand der Stadt-CDU frühzeitig für einen Bürgermeisterkandidaten entschieden und wird Backhaus entsprechend vorschlagen. Welche Eigenschaften sprechen für ihn, damit sich die Kreisstadt nach den Vorstellungen der CDU gut weiterentwickeln kann?

Jan Saal: Karsten Backhaus hat drei wichtige Eigenschaften, die für einen Bürgermeister unerlässlich sind. Erstens kennt er sich mit Personalführung aus. Gerade bei einer so großen Verwaltung wie in Bad Hersfeld kommt das besonders zum Tragen. Nur eine gut geführte Verwaltung kann auch effizient und produktiv arbeiten. Zweitens ist Karsten Backhaus ein Mensch, der auf alle Bürger zugeht. Egal ob jung oder alt, egal welche politische Zugehörigkeit, egal ob angenehm oder unangenehm, egal ob Unternehmer oder Angestellter. Er kennt die Menschen und ihre Probleme und wenn er sie nicht kennt, dann will er sie kennenlernen. Das halte ich für eine äußerst wichtige Eigenschaft für einen Bürgermeister. Und zu guter Letzt sein Gestaltungswille. Er brennt für Bad Hersfeld und wird mit Nachdruck versuchen in den einzelnen Fraktionen, aber auch in den Ministerien in Wiesbaden und Berlin für seine Ideen zu werben, um möglichst gemeinsam Projekte zu realisieren.

Bis zur Bürgermeisterwahl im September dieses Jahres wird sich der Wahlkampf im Sommer forcieren. Trotzdem gibt es auch in der Kreisstadt viele wichtige und herausfordernde Aufgaben. Sie haben im Stadtparlament ein Bündnis mit der SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Wahlkampf und Stadtpolitik beißen sich aber, oder?

Jan Saal: Natürlich wird es im Wahlkampf auch inhaltliche Auseinandersetzungen mit den Mitbewerbern geben. Ich denke aber nicht, dass dies große Auswirkungen auf unsere gute Zusammenarbeit mit SPD und den Grünen haben wird. Wir arbeiten aktuell vertrauensvoll zusammen und versuchen bei dem geringen Spielraum, den es aktuell gibt, gemeinsam das Beste für Bad Hersfeld herauszuholen. Das wird sich auch im Wahlkampf nicht ändern. (Hans-Hubertus Braune) +++

Friedrich Merz mit 94,62 Prozent neuer CDU-Bundesvorsitzender

Fahrradfahren gehört zu den Hobbys von Jan Saal

Jonas Seitz, Horst Groß und Jan Saal (von links) von der CDU-Kreistagsfraktion
Archivbild: O|N/Gerhard Manns