"Ganz legal"

Klimaaktivisten kündigen Autobahn-Abseilaktionen Ende Januar an

1. Oktober 2020: Autobahngegner hatten sich im Zuge der Rodungen im Dannenröder Forst bei Homberg (Ohm) von einer Autobahnbrücke bei Alsfeld abgeseilt.
Archivfotos: O|N / Hendrik Urbin

15.01.2022 / REGION - "Autobahnabseilaktionen - ganz legal": Verkehrswende-Aktivisten wollen Ende Januar in mehreren Städten für Klimaschutz und gegen Strafen für Autobahnaktionen demonstrieren. Bundesweit finden deshalb am 21., 23. und 30. Januar mehrere Abseilaktionen auf verschiedenen Autobahnbrücken statt. 

"Verschiedene Verkehrswendegruppen haben an unterschiedlichen Orten Abseilaktionen über Autobahnen als Demonstration angemeldet. Von mehreren Versammlungsbehörden sind diese auch bestätigt worden, womit geklärt ist, dass es sich bei Abseilaktionen um eine Form der Versammlung handelt", schreibt die Initiative "Projektwerkstatt" in einer Mitteilung an die Presse. "Dennoch kam es an einigen Orten zu kuriosen Auflagen und Einschränkungen, die deutlich machen, dass weiterhin recht willkürlich versucht wird, Schikanen einzubauen. Einige Anmelder verschoben daher ihre Aktionen auf spätere Termine", heißt es. 

Aktion auf der A7 bei Künzell

Auch in Osthessen ist eine Strecke von der Aktion der Umweltschützer betroffen: Am 23. Januar, um 11 Uhr, startet die Aktion über der A7, auf der Brücke "Haunestraße" in Künzell. Diese sei behördlich bestätigt und findet nur statt, wenn es zu keinem Schneefall kommt. 

Wie die Initiative schreibt, soll mit der Aktion für eine Verkehrswende, den sofortigen Stopp des Straußenbaus einen konsequenten Klimawandel demonstriert werden. "Zudem zeigen die Anmeldungen, dass diese Aktionsform vom Versammlungsrecht gedeckt ist. Dass die Aktionen gerade jetzt angemeldet wurden, hat als Grund den Beginn mehrerer Strafprozesse gegen Personen, die sich im Zuge des Protestes gegen den Bau der A49 und die Räumung des Hüttendorfes im Dannenröder Wald über Autobahnen abgeseilt hatten." 

Die Prozesse starten am 1. Februar in Frankfurt, weitere wird es in den Wochen und Monaten danach dort und auch in anderen Städten geben.

Abseilaktionen im Zuge der A49-Rodung

Als die Räumungen im Herbst 2020 im Dannenröder Forst begonnen hatten, kam es vonseiten der Autobahngegner zu mehreren Abseilaktionen auf Autobahnbrücken. Unter anderem besetzen die A49-Gegner eine Brücke über der A5 in Höhe Alsfeld-West. Für mehrere Stunden legten sie damit den kompletten Verkehr lahm. 

Mitte Oktober 2020 kam es auf der A3 nahe Idstein im Zuge der Abseilaktion zu einem schweren Unfall (Siehe: "Mehr zum Thema"). Aufgrund des Abseilens staute sich der Verkehr, ein Pkw krachte dann im Stauende auf einen Lkw. Laut Polizeiangaben wurde dadurch ein 29-Jähriger schwer verletzt. Hessens Innenminister sagte nach dem Unfall im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS: "Protest, der Menschenleben gefährdet, hat keinerlei Legitimation. Der schwere Unfall auf der A3 hat gezeigt, dass solche Aktionen lebensgefährliche Konsequenzen für Aktivisten und Unbeteiligte haben können."

Weitere Abseilaktionen

Dieses Mal sollen allerdings die Proteste an den Autobahnbrücken "ganz legal" stattfinden. "Wir werden die Situation im Rahmen der angemeldeten Versammlung nachstellen. Die gesamte Vorführung wird etwa eine Stunde dauern, dabei wird die Aktion über Lautsprecher genau erklärt." Zuschauen wird nach Möglichkeit sowohl auf der Brücke als auch von der Autobahn darunter möglich sein. 

- 16.1. über der A39 bei Braunschweig 
- 21.1. über der A648 in Frankfurt, Brücke "Am Römerhof" 
- 23.1. über der A648 in Gießen
- 23.1. über der A49 bei Edermünde 
- 23.1. über der A20 bei Tribsees 
- 30.1. über der A1 bei Oldenburg in Ostholstein 

Weitere Anmeldungen wurden für die A100 in Berlin und im Raum Augsburg/Ulm eingereicht. Einige Abseilaktionen seien derzeit noch in behördlicher Klärung und werden gegebenenfalls verschoben. (ld) +++