Interview mit Barockstadts Marcel Trägler

"Selbst meine Physiotherapeutin war überrascht, dass es so schnell ging"

Barockstadts Marcel Trägler war zu Besuch in der O|N-Redaktion
Fotos: Marius Auth

20.11.2021 / FULDA - Marcel Trägler war der Pechvogel in der Vorbereitung der SG Barockstadt. Der 29-Jährige riss sich im Pokalspiel gegen Künzell Mitte Juli das Kreuzband. Das Hinrundenaus schien besiegelt. Doch Trägler kämpfte sich in Rekordzeit zurück auf den Platz und feierte im Spiel gegen Baunatal vor zwei Wochen sein Comeback. OSTHESSEN|NEWS hat mit ihm über seinen Weg zurück, die Gedanken nach der Diagnose und seine Ziele in der Rückrunde gesprochen.
 
O|N: Marcel, während viele Profis nach einem Kreuzbandriss mindestens sechs Monate brauchen, bis sie wieder auf dem Platz stehen, hast du es in fünf Monaten geschafft. Warum ging es bei dir so schnell?
 
Marcel Trägler: Ich wurde mit einer Methode operiert, bei der man nach der OP keine Krücken mehr braucht. Ich konnte mein Bein also direkt nach der OP schon wieder belasten und habe dadurch vielleicht fünf, sechs Wochen Vorsprung vor anderen, die noch mit Krücken rumlaufen. Hinzu kam, dass es schnell abgeschwollen ist und die Reha super lief. Besser ging es quasi nicht.
 
Warst du selbst überrascht, dass es so schnell ging?
 
Trägler: Das es so schnell ging, war schon überraschend. Auch, dass ich keine Probleme mehr hatte. Bei vielen schwillt das Knie ja nach der Belastung an und zwingt sie wieder zu einer Pause. Bei mir war nach zwei Wochen die Schwellung draußen und dann hat man von Woche zu Woche gemerkt, dass mehr geht. Auch meine Physiotherapeutin vom Zentrum Mensch war überrascht, dass alles so reibungslos verlief.
 
Du hattest 2018 auch schon mal einen Kreuzbandriss. Hat dir die Erfahrung von damals dieses Mal geholfen?
 
Trägler: Auf jeden Fall. 2018 hatte ich zwar schon die gleiche Operationsmethode, aber ich habe danach zu früh angefangen, stand zu schnell wieder auf dem Platz. Dadurch haben mich immer wieder kleinere Verletzungen zurückgeworfen. Dieses Mal wusste ich, wann mein Körper bereit war, wieder auf den Platz zu gehen und welche Schritte ich gehen konnte. Mit der Zeit kam dann auch wieder das Vertrauen in das Knie und ich konnte wieder normal ins Mannschaftstraining einsteigen.
 
Du hast dich direkt im ersten Pflichtspiel nach der Corona-Pause verletzt. Wusstest du in dem Moment sofort, dass es etwas Schlimmeres ist?  
 
Trägler: Ja, das hatte ich schon gemerkt. Ich habe gleich gespürt, dass sich das Knie verdreht hat. Sicher war ich mir zwar nicht, aber ich habe damit gerechnet, dass es das Kreuzband ist. Deshalb hat mir die Diagnose dann auch nicht den Boden unter den Füßen weggezogen.
 
Nach der langen Corona-Pause war die Lust auf Fußball natürlich groß. Als du dann gemerkt hast, dass die Verletzung schwerer ist, was ging dir in dem Moment durch den Kopf?
 
Trägler: Ich war einfach leer. Eben weil ich wusste, dass es etwas Schlimmeres ist und wieder eine lange Pause droht. Am nächsten Tag ging der Blick aber schon wieder nach vorne. Es muss ja weitergehen. Den Kopf in den Sand zu stecken, bringt ja auch nichts.
 
Hattest du dennoch Phasen während der Reha, wo dir die Motivation schwergefallen ist?
 
Trägler: Eigentlich nicht. Klar, in der Reha kommt auch irgendwann die Zeit, wo es einem schwerer fällt. Man pendelt ja nur zwischen Physio und Fitnessstudio hin und her und hat keinen Ball am Fuß. Aber da es bei mir so schnell ging und ich von Woche zu Woche Fortschritte gemacht habe, hatte ich diese Phasen jetzt nicht so extrem.
 
Machst du dir im Zweikampf noch Gedanken, dass wieder etwas passieren könnte oder ist das Vertrauen ins Knie wieder voll da?
 
Trägler: Nein, diese Gedanken habe ich nicht. Aber ich muss es in diesem Jahr auch nicht mehr provozieren, irgendwo da hinzugehen, wo es richtig wehtut. Ich war nach knapp vier Monate wieder im Training, das will ich mir nicht durch eine dumme Aktion wieder kaputt machen.
 
Wie sehen deine persönlichen Ziele für die Rückrunde aus?
 
Trägler: Ich will in der Rückrunde voll fit sein. Ich denke, das ist auch absolut möglich. Dafür werde ich auch in der Winterpause mit meiner Physiotherapeutin weiterarbeiten. Es ist wichtig, dass wir für die Playoffs alle fit sind, um dann hoffentlich ganz vorne angreifen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch. (fh)+++