Auftakt der Bischofskonferenz

Bischof Bätzing: "Die Menschen sollen merken, dass sich etwas ändert"

Auf dem Domplatz protestierte zum Auftakt der Bischofskonferenz die Giordano-Bruno-Stiftung und das Aktionsbündnis Betroffeneninitiativen gegen die zu langsame Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche
Fotos: Carina Jirsch

21.09.2021 / FULDA - Am heutigen Montagmittag startet in Fulda die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz, die vom 20. bis 23. September 2021 terminiert ist. An ihr nehmen 68 Bischöfe unter Leitung des Vorsitzenden, Bischof Dr. Georg Bätzing, teil. Coronabedingt tagen die Bischöfe erneut im Stadtschloss Fulda.

Bischof Georg Bätzing begrüßte bei der Auftaktpressekonferenz im Dompfarrzentrum die wieder zahlreich vertretenen Medien. Der Vorsitzende nahm gleich zu Beginn die Situation der Erzbistümer Hamburg und Köln in den Blick, nachdem letzte Woche bekannt wurde, dass Papst Franziskus den von Erzbischof Stefan Heße angebotenen Amtsverzicht nicht annimmt, sondern ihn bittet, weiter Erzbischof von Hamburg zu bleiben. Bätzing betonte, dass Heße natürlich auch weiterhin Mitglied der Deutschen Bischofskonferenz sei. "Ich kann sehr gut verstehen, dass viele Menschen über diesen Vorgang irritiert sind", gestand Bätzing zu. Aber der Papst habe sich an eigenes Recht gehalten, auf dessen Basis bereits etliche Bischöfe weltweit ihr Amt verloren hätten. In diesem Fall habe keine direkte Vertuschung stattgefunden. 

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Konferenz der deutschen Oberhirten sind die Berichte der 14 Kommissionen, deren Mitglieder und Vorsitzende nach zehn Jahren neu gewählt werden. Erfreut berichtete der Vorsitzende, dass der Frauenanteil in diesen Gremien sich auf 40 Prozent erhöht habe, das sei ein wichtiges Zeichen. "Die Rolle der Frau in der Kirche ist die entscheidende Zukunftsfrage", so Bätzing.

Auch das Thema Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche steht erneut auf der Tagesordnung. Konkrete Entscheidungen über eine Neuordnung der Personalaktenführung, wie von der MHG-Studie gefordert, und eine Konkretisierung bei den Entschädigungsregelungen stünden kurz bevor. "Die lange Dauer der Bearbeitung ist für die Betroffenen nur schwer auszuhalten, das ist mir bewusst", sagte Bätzing. Auf der Zielgeraden befinden sich laut Bätzing die Beschlüsse zum Synodalen Weg. Für die Beantragung weiterer Änderungsanträge dazu sei die Frist heute abgelaufen, es sei ein großes Pensum zu bearbeiten. "Es geht dabei nicht um Texte, sondern Perspektiven und echte Handlungsoptionen. Die Menschen sollen merken, dass sich etwas Wesentliches ändert, dafür gibt es auch Rückenwind vom Papst", sagte der Vorsitzende.

Auf die bevorstehende Bundestagswahl ging er ebenfalls ein. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche sei ein Aufruf an alle Christ:innen ergangen, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Die Wähler sollten am Sonntag solchen Parteien ihre Stimme geben, die sich dem christlichen Wertekanon verpflichtet fühlten, appellierte der Vorsitzende.Ein Schwerpunkt der Beratungen ist der Fortgang des Synodalen Weges, auch mit Blick auf die vom 30. September bis 2. Oktober 2021 stattfindende zweite Synodalversammlung in Frankfurt am Main sowie die Vorbereitungen für die Weltbischofssynode in Rom, die in einem weltweiten Prozess am 9. Oktober 2021 beginnen. Erneut wird im Themenfeld "Aufklärung und Aufarbeitung" über aktuelle Fragen und Sachstände aus der Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" (MHG-Studie) gesprochen. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Wahlen der Mitglieder, der Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden sowie der Beraterinnen und Berater der 14 Kommissionen der Deutschen Bischofskonferenz sowie der Unterkommissionen. Außerdem wird sich die Vollversammlung mit einer Neufassung der Leitlinien zur Jugendpastoral befassen.

An der Eröffnungssitzung der Vollversammlung am Montag, 20. September 2021, wird der Apostolische Nuntius, Erzbischof Dr. Nikola Eterović, teilnehmen. Als Gast anderer Bischofskonferenzen wird Erzbischof Stanisław Budzik (Polen/Lublin) anwesend sein. 

Zum ersten Mal dabei ist die erste General­sekretärin in der Geschichte der Deut­schen Bischofs­konferenz, Beate Gilles. Die 51-jährige Theologin wurde auf der Frühjahrs-Vollversammlung als Nachfolgerin von Hans Langendörfer SJ gewählt, der Anfang Januar 2021 nach 24 Jahren in den Ruhestand getreten war. In der Vollversammlung treffen die deutschen Bischöfe organisatorische und inhaltliche Entscheidungen für die Kirche in Deutschland. Neben den Sitzungen der Vollversammlung im großen Saal finden sich regelmäßig kleinere Arbeitsgruppen zusammen, die inhaltliche Fragen diskutieren, um sie anschließend dem großen Plenum vorzustellen. Fester Bestandteil der Vollversammlung ist auch der Studientag zu einem zentralen Thema der Beratungen, an dem Expertenvorträge gehört und Gespräche geführt werden.

Eine wichtige organisatorische Aufgabe ist alle sechs Jahre die Wahl des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Gewählt werden kann jeder Diözesanbischof bis zum Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren. Darüber hinaus gehört ebenfalls im Turnus von sechs Jahren die Wahl des/der Generalsekretär(in) der Deutschen Bischofskonferenz, der/die den ständigen Sitz der Bischofskonferenz in Bonn leitet – das so genannte Sekretariat – zu den Aufgaben der Vollversammlung. Zuletzt haben diese Wahlen im Februar 2021 stattgefunden.

Für viele Sachbereiche gibt es Bischöfliche Kommissionen wie zum Beispiel die Kommission für Erziehung und Schule oder Dienststellen der Deutschen Bischofskonferenz. Die Vollversammlung der Bischöfe entscheidet auch über deren Einrichtung und personelle Besetzung und erlässt die jeweiligen Geschäftsordnungen. (ci/pm)+++