Nicht wählen ist die schlechteste Wahl

Schüler fragen Politiker: Politik-Talk auf Schloss Bieberstein

Politische Diskussion auf Schloss Bieberstein (V.l.n.r.): Gianina Zimmermann (Grüne), Birgit Kömpel (SPD), Jürgen Lenders (FDP) und Michael Brand (CDU).
Fotos: Volker Kilgus

18.09.2021 / HOFBIEBER - Die schlechteste Wahl ist nicht zur Wahl zu gehen! Das war das einstimmige Fazit, auf das sich die Vertreter der Parteien von SPD, CDU, FDP und Grünen bei der Talkrunde im Hermann Lietz Internat Schloss Bieberstein (Landkreis Fulda) einigten. Zweieinhalb Stunden hatten Michael Brand (MdB und CDU-Direktkandidat), Birgit Kömpel (SPD-Direktkandidatin), Jürgen Lenders (FDP und MdL) und Gianina Zimmermann (Direktkandidatin der Grünen) den Schülern und Schülerinnen des traditionsreichen Oberstufen-Gymnasiums Rede und Antwort gestanden, ihre Positionen dargelegt.

Zum großen Schlagabtausch kam es allerdings nicht – Pierre Lamely (AfD) und Nuha Sharif-Ali ((Linke) hatten kurzfristig abgesagt. Somit war man unter sich, hatte keine extreme Positionen zu erwarten und konnte im Gegenzug in einigen Punkten gar Einigkeit demonstrieren. Die Pädagogen Uwe Neuser und Andreas Stäblein hatten die Veranstaltung vorbereitet. Politiklehrer Uwe Neuser, der durch das Programm führte, achtete auf die Regeln und die Atmosphäre, belehrte die Gäste, wenn sie beim Reden ihr Zeitkontingent überschritten. Unterstützt wurde er von den Schülerinnen Mailin Kortum, Charlotte Sinz und Amelie Ehlers, die als Moderatorinnen vorbereitete Fragen an die Politiker stellten und zugleich der Schülerschaft das Wort für Fragen erteilten.

Mit dem Zitat "Res publica est res populi – Der Staat ist Sache des Volkes" des römischen Politikers und Philosophen Cicero eröffnete Internats- und Schulleiter Michael Meister die Versammlung, begrüßte zudem als Gast den Ortsvorsteher Martin Herbst. Bei der anschließenden Vorstellungsrunde der Gäste musste Moderator Neuser bereits erstmals mahnend eingreifen und den Redefluss der Kandidaten bremsen. Danach standen verschiedene Themenkomplexe an und die Palette reichte vom Klimaschutz, über Wohnungsmieten, Steuererhöhungen, Enteignung, Mietendeckel, Europäische Union, Zuwanderung, Nato, Abtreibungsgesetz, Digitalisierung bis hin zur Außenpolitik und den schwierigen Beziehungen zur Volksrepublik China, von denen das Internat auch direkt betroffen ist.

Stimmungsvoll wurde es beim Thema Tempolimit. Der Führerschein, ein vermeintlich weiteres Zeugnis für erwachsen sein, sollte mit keinen Geschwindigkeitsbegrenzungen einhergehen. Für einige Jugendliche, die teilweise kurz vor oder nach der Führerscheinprüfung mit großen Erwartungen den Moment herbeisehnen, ungezügelt am Steuer eines Automobils ihre Unabhängigkeit zu genießen erschien Tempo 130 wie ein Schreckensszenario. In dieser Frage waren sich indes auch die Gäste uneins, ebenso beim Klimaschutz und den Steuerbelastungen. Einigkeit hingen beim Thema Wohnen: Alle plädierten dafür mehr Wohnungen zu bauen – wie und wer, hierzu gab es allerdings wieder unterschiedliche Ansätze.

Rege Beteiligung herrschte auch in der abschließenden Fragerunde der Schüler und Schülerinnen, die gut vorbereitet und mit sachkundigen Fragen die Politikexperten konfrontierten. Die wiederum zeigten sich professionell und beherrschten es perfekt, zu den unterschiedlichen Fragekomplexen wortreiche Ausführungen zu machen. Dabei zeigten sich vor allem die Politikprofis sehr geschickt und bemühten sich gleichzeitig meist ihre rhetorische Überlegenheit nicht auszuspielen.

Schwieriger taten sich jedoch die redegewandten Gäste bei der Abschlussfrage: "Wen würden sie wählen, wenn sie nicht ihre Partei wählen dürften?". Letztendlich kam es dann doch zur Blockbildung zwischen CDU und FDP sowie SPD und Grüne. (pm) +++