Nicht mal Kinder dürfen mehr trainieren

Weil Unbekannte den Verein anschwärzten: Sportplatz in Eiterfeld gesperrt

Wegen der Sperrung des Platzes in Eiterfeld kann die Jugend-Spielgemeinschaft Eitratal/Kegespiel derzeit nicht trainieren
Symbolbild: pixabay

14.05.2021 / EITERFELD - Weil in der Vergangenheit vermehrt Beschwerden eingegangen sind, dass sich die Jugend-Spielgemeinschaft Eitratal/Kegelspiel nicht an die Corona-Maßnahmen halten soll, wurde der Sportplatz in Eiterfeld nun fürs erste komplett gesperrt. Nicht einmal mehr die Kinder dürfen trainieren. Bei der JSG ist man entsetzt, angesichts der Vorwürfe. torgranate.de hat mit dem Vorstand, bestehend aus Stephen Petrich, Jürgen Pomnitz und Andreas Köller, gesprochen.

Was wird Ihnen vorgeworfen?

Mitbürger beschwerten sich, die JSG-Verantwortlichen hielten die Maßnahmen nicht ein. Wer macht so etwas, Personen anzuschwärzen, die für Gesunderhaltung in unserer bewegungsarmen Gesellschaft sorgen, für Gemeinschaftsgefühl und soziale Kontakte ihrer Zielgruppen? Sind das Wutbürger? Neider? Erbsenzähler? Die Beschwerden häuften sich und gingen beim Ordnungsamt, bei den Polizeistellen Hünfeld und Fulda und auch bei dortigen Gesundheitsbehörden ein.

Gab es Konsequenzen für den Verein?
 
Strafen zwischen 500 und 5000 Euro standen im Raum. Die Folge war, dass Eiterfelds zweiter Vorsitzender Volker Hilpert die Sportanlage sperren musste. Und die Kinder und Jugendlichen nicht mal mehr trainieren dürfen.

Müssen Sie sich etwas vorwerfen?
 
Verantwortliche, Trainer, Betreuer, Eltern und Kinder der Spielgemeinschaft haben in Sachen Corona alles richtig gemacht. In der ersten Lockdown-Phase wuschen sie Bälle, desinfizierten alles Mögliche, trainierten in Zehner-Gruppen, hielten Abstand und dokumentierten alles, was nötig war. Kinder mussten Einwilligungen ihrer Eltern zum Trainingsbetrieb mitbringen. Und bescheinigen, dass sie gesund sind. Ohne Dokument kein Training. Hygienebeauftragte wurden installiert. Alle Vereine kannten das. Die Fußball-Saison wurde unter- und dann abgebrochen – bis zumindest Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre wieder an die frische Luft durften. In Eiterfeld bedeutete das: Training auf dem Kunstrasenplatz. Komplett dort. Nach Regeln und Anleitungen des HFV.

Allerdings wurden die Maßnahmen durch die Notbremse verschärft.
 
Viel verändert hat sich nicht. Wir durften weiterhin trainieren – kontaktlos und in 5er-Gruppen. Die Verantwortlichen hielten sich nach wie vor an die Regeln, verschärften die Trainings-Maßnahmen. Selbst eine stichprobenartige Kontrolle der Polizei gab ihnen recht. Bis sie Sand in die Augen gestreut bekamen.

Eiterfeld ist keine Ausnahme. Sogar der Sportplatz in Petersberg wurde bereits gesperrt.
 
Eiterfeld und Petersberg können vermutlich durch irgendeinen beliebigen Namen in Deutschland ersetzt werden. Solche Vorfälle können sich auch andernorts ereignen. Nur was treibt sogenannte Mitbürger dazu, verschiedene Gruppen unserer Gesellschaft in Misskredit zu bringen? Betroffen sind Kinder und Jugendliche – aber auch Eltern, Verantwortliche und Vereine. Und das soziale Leben. Das kulturelle Leben. Dabei haben selbst Ärzte und Aeorosolforscher in unserem Land betont, dass Freizeitsport im Freien unbedenklich sei.

Was bedeutet es, wenn die Sportplätze gesperrt und somit das Training eingestellt werden muss?
 
Für die JSG Eitratal/Kegelspiel hatten sich einige Eltern bereiterklärt, Training in Kleingruppen zu übernehmen. Nicht von ungefähr äußerte sich die Mutter eines Kindes, das Training sei ein Highlight am tristen Homeschooling-Tag. Nur allzu verständlich. Eines wurde wieder einmal klar: Es mangelt an Transparenz und der Bereitschaft zum Dialog. Betroffen sind in erster Linie die Kinder und Jugendlichen, die in der deutschen Gesellschaft eh genug zu kämpfen haben. (tg)+++