"Extrem zu sein ist unglaublich einfach"

Teil 2: CDU-Politiker Maaßen über Merkel, Maß und Mitte

Dr. Hans-Georg Maaßen will für die Thüringer CDU in den Deutschen Bundestag
Martin Engel

16.05.2021 / MEININGEN - Ex-Verfassungsschutzpräsident Dr. Hans-Georg Maaßen (58, CDU) will in den Bundestag. Er tritt als CDU-Kandidat für den Thüringer Bundestagswahlkreis Suhl – Schmalkalden-Meiningen – Hildburghausen – Sonneberg an. Nun spricht der polarisierende Politiker mit OSTHESSEN|NEWS und KINZIG.NEWS im XL-Interview. O|N-Chefredakteur Christian P. Stadtfeld und Chief of Staff Tobias Bayer trafen den Konservativen Mönchengladbacher im Herzen Meiningens. 

Im zweiten Teil des Gespräches erfahren Sie von Maaßen Details aus seiner Zeit als Verfassungsschutzpräsident, seinen Blick auf Bundeskanzlerin Merkel und was er in Japan gelernt hat.


Herr Dr. Maaßen, welche Kompetenz aus Ihrer Zeit als Verfassungsschutzpräsident hilft Ihnen jetzt bei Ihrer politischen Arbeit?


"Beim Verfassungsschutz und überhaupt bei Nachrichtendiensten ist die Kernkompetenz die Analysefähigkeit. Sachverhalte muss man schnell aufnehmen, mit Bekanntem abgleichen und zusammenbringen, um Parallelen sehen zu können. Diese Analysefähigkeit hilft mir sehr auch politische Zusammenhänge einzuordnen."

Was vermissen Sie an Ihrem alten Job?
"Die Menschen. Es hat mir Spaß gemacht, mit vielen Leuten zusammenzuarbeiten. Das war ein tolles Team."

"Merkel wäre eine geeignete Nachrichtendienst-Chefin"

Wo sehen Sie bei Angela Merkel die größte politische Stärke?
"Frau Merkel ist eine sehr begabte Frau mit einer außergewöhnlichen Auffassungsgabe, einer Klugheit und einer Analysefähigkeit, die ich bewundere. Sie ist auch sehr durchsetzungsfähig. Ich glaube ja, dass wir in Deutschland in den letzten Jahrzehnten kaum eine derart starke Persönlichkeit in der Politik gehabt haben. Es kommt noch hinzu, dass sie all diese starken persönlichen Charaktermerkmale nach außen nicht zur Schau stellt."

Sie bescheinigen der Bundeskanzlerin eine gute Analyse-Fähigkeit. Hat Frau Merkel das Zeug zur Verfassungsschutzpräsidentin?
"Ich glaube, Frau Merkel wäre eine geeignete Nachrichtendienst-Chefin."

Sie sind mit einer Japanerin verheiratet, sprechen japanisch. Was fasziniert Sie an der japanischen Kultur?
"Die Zurückhaltung der Japaner anderen gegenüber. Sie stellen sich selbst nicht in den Vordergrund, sie akzeptieren den Anderen einfach als Anderen. Das ist für mich eine Lebenskultur, die sehr bescheiden ist, sehr höflich."

 Würden Sie sich das für Deutschland auch wünschen?
"Früher stand aus meiner Sicht die deutsche Lebenskultur bildlich gesprochen in der Mitte zwischen dem zurückhaltenden Japan und den lauten USA. Derzeit sind wir mehr in Richtung USA: zu viel Ellenbogen. Zu wenig Toleranz gegenüber dem anderen. Ich würde mir wünschen, dass Deutschland wieder in die Mitte findet. Das ist ohnehin eine Position, die ich auch in Japan gelernt habe: Entscheidend im Leben ist immer Maß und Mitte einzuhalten. Das ist das aller Schwerste."

CDU-Politiker Maaßen: "Extrem zu sein ist unglaublich einfach"

Können Sie uns das erklären?
"Extrem zu sein ist unglaublich einfach, sowohl bei politischen Meinungen als auch bei der Lebensführung. Man erspart sich die Auseinandersetzung mit der Frage, ob nicht auch andere Gesichtspunkte wichtig und richtig sind. Ich weiß, dass es in der Politik ausgesprochen schwer ist, sich für Maß und Mitte einzusetzen: Die Jubler hat man nämlich immer einfacher, wenn man sich für einen extremen Standpunkt einsetzt. Man muss aber auch mal Rückgrat haben und sagen: Das geht nicht so absolut, weil andere Interessen entgegenstehen." 

Wann haben Sie es zuletzt nicht geschafft Maß und Mitte zu halten?
"Ich glaube im Straßenverkehr, als ich zu schnell gefahren bin." (cps, tby) +++

Lesen Sie auf unserem Schwesterportal KINZIG.NEWS, ob Dr. Hans-Georg Maaßen sich als Rechtspopulist sieht, wie es um die Meinungsfreiheit bestellt ist und warum der Ex-Verfassungschutzpräsident kein Fan links-grüner Politik ist. 


X