Trainer der Damenmannschaft

Amateurfußball auf Profiniveau: Romeo Schäfers Abenteuer in Gladbach

Romeo Schäfer ist seit zehn Tagen Cheftrainer der Damenmannschaft von Borussia Mönchengladbach
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13.05.2021 / MÖNCHENGLABACH - Seit zehn Tagen ist Romeo Schäfer Trainer bei einem absoluten Traditionsverein. Der 35-jährige gebürtige Michelsrombacher coacht nun die Damenmannschaft von Borussia Mönchengladbach in der 2. Liga und soll mit ihr den Klassenerhalt schaffen. Die Aufgabe hat es in sich und verlangt ihm viel ab. Auch weil er zusätzlich weiter seinem Beruf als Sporttherapeut nachgeht. 

Vor zehn Tagen schenkte ihm die Clubführung jede Menge Vertrauen: Schäfer solle doch bitte das Frauenteam in der 2. Liga halten. Kein leichtes Unterfangen, denn in der noch zweigeteilten Staffel war Gladbach nur aufgrund der besseren Tordifferenz nicht Letzter. Und da mit drei Teams gleich ein Drittel der Liga direkt absteigt und der Viertletzte noch in die Relegation muss, gestaltet sich die Mission nicht leichter. Doch Schäfers erste Kniffe saßen, bescherten zwei Siege und schoben das Team über den Strich. Die Brocken kommen aber jetzt: Morgen geht es gegen Gütersloh, am Sonntag gegen Jena. Die Teams, die den Titel unter sich ausmachen.

"Der Klassenerhalt ist wichtig. Wir haben mit Bayer Leverkusen, dem 1. FC Köln oder SGS Essen nächste Saison gleich drei Bundesligisten in unmittelbarer Umgebung. Wenn wir absteigen, dann büßen wir an Attraktivität ein, und es besteht die Gefahr, von der Bildfläche zu verschwinden", sagt Schäfer gegenüber torgranate.de. Ihm ist wichtig "den Klassenerhalt auf dem direktem Wege zu schaffen".

Denn es bahnen sich Rechtsstreitigkeiten an, schließlich sollen gleichzeitig Teams aus abgebrochenen Regionalligen aufsteigen, in denen stellenweise nur fünf Spiele absolviert wurden. "Ein sportliches Unding, wenn bei uns gleichzeitig vielleicht fast die Hälfte der Teams nach einer regulären Saison absteigen muss, die für viele kleine Vereine ein finanzieller Kraftakt und existenzbedrohend ist", erklärt Schäfer. Er verweist auf kostspielige PCR-Tests und fehlende Zuschauereinnahmen. Und Schäfer kritisiert ebenfalls die Entscheidung, dass in der kommenden Saison die 2. Liga wieder eingleisig werden soll. Die Distanzen seien jetzt schon immens, der Zeitaufwand mit dem eines Drittligisten im Herrenbereich vergleichbar.

Profifeeling als "Amateur"

Mit dem entscheidenden Unterschied, dass sich in der 2. Liga der Frauen beinahe ausschließlich Amateure bewegen. Schäfer arbeitet in einer Klinik als Sporttherapeut. Ändern wird sich daran selbst nichts, falls er das Team in der kommenden Saison ebenfalls coachen sollte – entschieden ist das noch nicht. Seine Spielerinnen legen pro Trainingseinheit bis zu 100 Kilometer Anfahrt hinter sich, gehen arbeiten oder studieren. "Wir haben am Sonntag um 11 Uhr in Wolfsburg gespielt, da braucht es eine Übernachtung, da sitzen die Mädels im Bus und pauken Gesetzestexte für ihr Jura-Studium. Das ist normal", sagt Schäfer.

Dass er laute Kritik am System übt, lässt ihn keineswegs an seinem "Nebenjob mit fünf, sechs Sportplatztagen" zweifeln. Zu ehrlich sei der Fußball auf dieser Basis. Wer den Aufwand betreibt, um 2. Liga zu spielen, der muss fußballverrückt sein. So wie Schäfer selbst. Der benötigt Rückendeckung von der Familie, die Schäfer von Frau Christa und Töchterchen Sophia (7) in größtem Maße erfährt.

Und ist Corona endlich vorbei, dann würde der Aufwand überschaubarer. Keine ständigen Tests, keine ständigen Doppelspieltage. Der Fokus würde dem Fußball gelten. Auswärtsspiele mit Übernachtung, Videoanalyse im Hotel. Profifeeling als "Amateur". Da hat Romeo Schäfer noch mehr Bock drauf. (tg)+++