Teils drastische Verluste

Wegen Corona: Osthessens Sportvereinen geht der Nachwuchs verloren

Sportarten wie Volleyball fanden seit Monaten nicht mehr statt
Symbolbild: pixaay

12.05.2021 / REGION - Die Mitgliederzahl in den hessischen Sportvereinen schrumpft. Das ist inzwischen nichts Neues mehr. Schon Anfang März hatte der Hessische Landessportbund in einer Bestandserhebung auf die Problematik aufmerksam gemacht. Inzwischen liegen nun auch detaillierte Zahlen vor. Die osthessischen Sportkreise kommen demnach noch mit einem blauen Auge davon, jedoch sind gerade die Verluste im Kinderbereich besorgniserregend.
 
Egal ob im Vogelsberg, in Hersfeld-Rotenburg oder im Sportkreis Fulda-Hünfeld. Überall liegen die Verluste im Kinder- und Jugendbereich bis 18 Jahren zwischen vier und sechs Prozent. Am besten schneidet hier noch der Vogelsbergkreis mit -4,2 Prozent ab. "Diese Entwicklung stimmt uns – angesichts der anhaltenden Einschränkungen – sehr sorgenvoll", sagt Juliane Kuhlmann, Vorsitzende der Sportjugend Hessen.

17 Prozent weniger Mitglieder im Vorschulalter

Ein Großteil der Verluste ist darauf zurückzuführen, dass viele Kleinkinder aufgrund mangelnder Sportmöglichkeiten gar nicht erst in Vereinen angemeldet werden. Hessenweit liegt der Rückgang bei Kindern im Vorschulalter bei über 17 Prozent. Die große Frage ist jedoch, ob diese Anmeldungen nach Aufhebung der Beschränkungen nachgeholt werden, oder ob Teile der Kinder für den organisierten Sport für immer verloren sind. "Ich befürchte, die Auswirkungen werden wir erst in einigen Jahren wirklich spüren", sagte Heide Aust aus dem Sportkreis Hersfeld-Rotenburg bereits im März. 
 
Aber auch bei Kindern, die bereits erste Erfahrungen in Sportvereinen gesammelt haben, sind die Auswirkungen der Pandemie deutlich zu spüren. In der Altersklasse der Sieben- bis 14-Jährigen zählte der Landessportbund 5,3 Prozent weniger Mitglieder, außerdem bemerkten viele Trainer, nachdem Anfang März das Training für unter 14-Jährige im Freien wieder erlaubt wurde, Rückschritte in den Bereichen Motorik und Technik. In den Indoor-Sportarten, die seit mehreren Monaten quasi nicht mehr stattfinden, dürften die Auswirkungen noch gravierender sein. Hinzukommt, dass gerade diese Sportarten enorm von dem Mitgliederschwund betroffen sind.  

Ländliche Prägung von Vorteil

Für Osthessen gibt es aber auch halbwegs gute Nachrichten. Denn die Sportkreise in der Region profitieren von ihrer alles in allem ländlichen Prägung. Die Bindung zum Verein ist dort meist stärker als in urbanen Gebieten wie Frankfurt oder Wiesbaden. So zeigen die Zahlen auch, dass der Anteil der Bevölkerung, die Mitglieder in Sportvereinen sind, in Hersfeld-Rotenburg mit 42 Prozent hessenweit am höchsten ist. Im Vogelsberg fällt mit 35 Prozent der Anteil der Minderjährigen an den Gesamtmitgliedern besonders hoch aus. Im Sportkreis Fulda-Hünfeld fällt der Gesamtverlust in allen Altersklassen mit -1,6 Prozent erfreulich gering aus.

Auch wenn alle Sportkreis unter der derzeitigen Situation leiden, sind diese Zahlen zumindest ein kleiner Mutmacher. (fh)+++