Kommentar von Christian P. Stadtfeld

Nach Hessentags-Absage: Jetzt braucht es alternative Ideen für die Innenstadt!

Bei aller Hoffnung und Euphorie: Die Absage des 60. Hessentags in Fulda war richtig! Das Bild zeigt OB Dr. Wingenfeld mit dem Hessentagspaar.
Foto: Martin Engel

14.01.2021 / FULDA - Bei aller Hoffnung und Euphorie: Die Absage des 60. Hessentags in Fulda war richtig! Und zwar jetzt, am 13. Januar 2021, und nicht kurz vor Toresschluss. Corona zeigt uns, wie verletzlich wir sind. Wir haben die Lage aktuell nicht unter Kontrolle, können sie aber in den Griff bekommen, wenn wir impfen, impfen und noch mehr impfen. Das tun wir aktuell noch immer - leider nur - im Schneckentempo, weil der Impfstoff und oft auch noch die Organisation fehlt.

Im Mai, wenn wir hätten Hessentag feiern wollen, sind zwar viele Menschen der Risikogruppen geimpft, aber bei weitem noch nicht alle. Deshalb war heute schon klar: Das 10 Tage-Landesfest muss auch 2021 ausfallen. Das Risiko und die Gefahr sind einfach zu hoch. Stadt Fulda und Land Hessen stellen die Gesundheit der Menschen in den Fokus - und übernehmen Verantwortung für uns als Gesellschaft. Damit haben sie recht.

Dr. Heiko Wingenfeld, Oberbürgermeister und Krisenmanager der Domstadt, hat mit Weitsicht gehandelt, und er ist seiner Linie treu geblieben. Er hat das Gespräch mit der Landesregierung gesucht und agiert, statt reagiert. Schließlich trägt er allein am Ende auch die Verantwortung: nicht seine Mitarbeiter, seine Berater, seine politischen Weggefährten und auch nicht die Opposition. Er ganz alleine. Und sicherlich hat er sich diese bittere Entscheidung nicht leicht gemacht, vor allem beim Gedanken an diejenigen, die vor allem finanziell vom Hessentag abhängig sind.

Jetzt ist Wingenfeld zwar der Überbringer schlechter Nachrichten, aber er hat mit seiner Entscheidung sicher vielen Menschen das Leben gerettet. Und er hat viel für die Stadt Fulda und damit auch für die Attraktivität unserer Region erreicht. Die Stadt bekommt vom Land die geplante Förderung über 6,5 Mio. Euro für Projekte wie die Tourist-Information, die Brücke über die Fulda, Wege im Schlossgarten, den Heimattiergarten, das Umweltzentrum, den Kulturhof und das Stadion. Weitere 2 Mio. Euro, die eigentlich für die Durchführung des Hessentags bestimmt warnen, kommen ebenfalls aus Wiesbaden. Und der Hessentag-Ersatztermin ist für 2026 reserviert. Dann kommen alle Gelder aus Wiesbaden erneut. 

Das Gesamtpaket ist nicht nur ein kluger Schachzug des OB, der gutes Verhandlungsgeschick bewiesen hat, sondern eine riesige Chance für Fulda, die gesamte Region und am Ende verbunden mit einem klaren Auftrag.

Wingenfeld muss jetzt alternative Ideen entwickeln, wie er der Innenstadt - nach dem Lockdown - wieder zu alter Stärke verhelfen will. Er darf sich nicht auf den verdienten Lorbeeren ausruhen, denn Einzelhandel, Gastronomie, Hotellerie und Kultureinrichtungen brauchen dringend ein Konjunkturpaket. Es ist nicht nur notwendig, sondern überlebenswichtig. Es braucht jetzt einen Masterplan, der Perspektive gibt und deutlich macht, dass Fulda und die politisch Handelnden gestalten wollen und können. (Christian P. Stadtfeld) +++

Der OB hat viel für die Stadt Fulda und damit auch für die Attraktivität unserer Region erreicht.
Fotos: Hendrik Urbin
Wingenfeld darf sich nicht auf den verdienten Lorbeeren ausruhen.