ZuBRA-Kommunen gegen Kaufland-Ansiedlung

Bürgermeister, Stadtentwickler und Handelsverbände im Nordkreis auf Gegenkurs

Auf diesem Areal ist die Kaufland-Ansiedlung in Bad Hersfeld geplant
Archivfoto: Stefanie Harth

21.11.2020 / REGION - Gegen die Bemühungen der Kreisstadt Bad Hersfeld, einen Kaufland-Markt auf dem Gelände des Schlachthofs anzusiedeln, regt sich Widerstand aus den  "ZuBRA"-Kommunen des Landkreises. Einmütig haben sich Alheim, Bebra, Ronshausen ,Rotenburg und Wildeck gegen die Ansiedlung ausgesprochen, die ohne die Änderung des gültigen Regionalplans nicht möglich ist.

 

"Konterkariert unsere Entwicklung"

"Die Ansiedlung eines Kaufland-Marktes in Bad Hersfeld konterkariert unsere Stadtentwicklung, wie wir sie seit 15 Jahren erfolgreich zugunsten einer lebendigen Innenstadt umsetzen", sagt Stefan Knoche, Bürgermeister von Bebra.
Die Einhaltung des Regionalplanes habe zum Ziel, im gesamten Landkreis die Nahversorgung der Bevölkerung zu garantieren. Die weitere Ansiedlung eines großflächigen Vollversorgers würde die Konzentration auf Bad Hersfeld noch weiter verstärken. Alle Bemühungen, Nahversorgung auch zukünftig in kleineren Kommunen sicherzustellen, würden so zunichte gemacht.

Allein in Bebra seien von privaten Investoren und der Kommune in den vergangenen Jahren rund 60 Millionen Euro investiert worden. "Wir befürchten, dass eine Kaufland-Ansiedlung in Bad Hersfeld diese Investitionen aushöhlt und zukünftige Investitionen unwahrscheinlicher macht", so Knoche.

Die Bürgermeister kritisieren, dass die Einzelhandelsflächen der Kreisstadt in den vergangenen Jahren ohnehin stark angewachsen seien und nötige Handelsumsätze in den eigenen Gemeinden durch Berufspendler überproportional abfließen. Ein weiterer großflächiger Edeka-Markt sei in Bad Hersfeld bereits genehmigt worden und werde demnächst im Gebäude der Hauptpost entstehen. Die Kaufland-Ansiedlung sei zudem auf einem Gelände geplant, in dem laut Regionalplan überhaupt keine innenstadtrelevanten Sortimente verkauft werden dürften. "Die Festlegungen des Regionalplanes sind für uns in der Stadtentwicklung bindet, auch wenn sie manchmal schmerzen!" Stefan Pruschwitz, Geschäftsführer der Stadtentwicklung Bebra ist gegen die Kauflandansiedlung in Bad Hersfeld. "Wir brauchen aber Verlässlichkeit. Wie sollen wir unsere Gemeinden stärken und damit die Lebensqualität im ländlichen Raum erhalten und stärken, wenn Einzelfallentscheidungen ein aufeinander abgestimmtes Vorgehen konterkarieren. "
 

Vertrauen darf nicht missbraucht werden

"Es geht auch darum, die Investitionen der Unternehmer in unseren Kommunen zu schützen. Es kann nicht sein, dass sich Einzelhändler im Vertrauen auf die Gültigkeit des Regionalplans mit hohem persönlichen Risiko in unseren Gemeinden ansiedeln und dann durch die Neuansiedlung eines weiteren Branchenriesen in ihrer Existenz bedroht werden" führt Rotenburgs Bürgermeister Christian Grunwald für das Zusammenstehen der ZuBRA Kommunen an.
Alle Kommunen, die sich in dem Arbeitskreis "ZuBRA" zusammengeschlossen haben, um gemeinsam ein zukunftsfähiges Entwicklungskonzept umzusetzen, haben die Regionalversammlung in schriftlichen Stellungnahmen aufgefordert, den Regionalplan nicht zu ändern und eine Kaufland-Ansiedlung in Bad Hersfeld abzulehnen.

Damit stellen sich die Bürgermeister Stefan Knoche, Christian Grunwald, Markus Becker, Georg Lüdtke und Alexander Wirth einmütig auch gegen Landrat Dr. Michael Koch, der in einem Pressestatement bekräftigt hatte, der Kaufland-Ansiedlung positiv gegenüber zu stehen.  (pm) +++