Sie ziehen wieder!

Wer hat sie schon gesehen? Kraniche fliegen ins Winterquartier

Gerade in den späten Nachmittagstunden sind die Glücksboten oft zu sehen (und/oder zu hören)
Fotos: Miriam Rommel

16.10.2020 / REGION - Mit einem lauten Trompeten machen die scheuen Vögel auf sich aufmerksam: In diesen Wochen ist das großartige Herbstschauspiel ziehender Kraniche wieder am Himmel über Osthessen zu sehen. Aufmerksame Naturfreunde konnten bereits einige Schwärme des "Glücksvogels" am Abendhimmel beobachten.

Insgesamt ist in diesem Herbst mit bis zu 250.000 Vögeln an Hessens Himmel zu rechnen. Kraniche ziehen bevorzugt bei Hochdruckwetter, da sie dann von den östlichen Winden mitgetragen werden und dadurch Kraft sparen können. Da sich Kraniche bei ihrem Zug an Landmarken wie Flüssen und Berggipfeln orientieren, sind sie bei ungünstiger Witterung dazu gezwungen, eine außerplanmäßige Zwischenrast einzulegen. Naturbeobachter sollten hier besondere Rücksicht nehmen: Um die Tiere, die Kraft schöpfen müssen, nicht unnötig zu beunruhigen, muss ein Mindestabstand von 300 Metern eingehalten werden.

Hessen liegt in einer Hauptzugroute der Kraniche auf ihrem Weg von der Ostsee in ihre Winterquartiere im Südwesten Europas. An ihren größten nördlichen Sammelplätzen – z.B. bei Rügen und an der Mecklenburgischen Seenplatte – finden sich im Herbst jeweils 100.000 bis 120.000 Kraniche ein. Bei günstiger Witterung brechen einzelne Schwärme früh morgens auf und ziehen südlich und nördlich am Harz vorbei. Sie erreichen dann das Weserbergland und Thüringen und fliegen meist in den Nachmittags- und Abendstunden weiter durch Hessen. Schwerpunkte des hessischen Durchzuges sind die Flusstäler von Fulda, Werra, Schwalm, Ohm und Lahn, wo einige Tiere bei schlechten Flugbedingungen auch Rastgebiete aufsuchen.

Im Oktober und November gibt es bei günstiger Witterung oft ‚Massenflugtage‘, an denen in kurzer Zeit bis zu 50.000 und mehr Vögel über Hessen hinweg ziehen. Beim Weiterflug mit 50 bis 70 km/h erreichen sie die Auen von Main und Rhein und fliegen schließlich über Frankreich weiter nach Südwesten. Die kräftigen und erfahrenen Tiere fliegen an der Spitze, dann folgen Familien mit durchschnittlich zwei Jungtieren. Bei günstigen Flugbedingungen können die bis 1,30 Meter großen Tiere ohne Halt bis nach Südeuropa fliegen. (mr) +++