Übernachten im Zelt?

Kein lockerer Start - Wohnungssuche für Studis auch hier schwierig


Foto: Symbolbild

11.10.2019 / FULDA - Lange schlafen, lockeres Leben und viel Party; so stellen sich viele Menschen das Studentenleben vor. Das viele Studierende gerade zu Beginn ihrer akademischen Laufbahn in Zelten, auf Campingplätzen oder in Zimmern ohne Türen übernachten müssen, wird meist vergessen. In Kürze beginnt nun wieder das Wintersemester an den Unis. Für viele neue Studenten heißt es dann erst mal, eine Bleibe in einer neuen Stadt zu finden. Doch in vielen Städten ist genau das das Problem. Die Wohnsituation in deutschen Großstädten wie München und Frankfurt am Main ist für Studenten alles andere als einfach. Die Angebote sind knapp, die Konkurrenz ist groß und die Preise meist zu hoch für den Studie-Geldbeutel.

Auch in Fulda steht das neue Wintersemester vor der Tür. Wie sieht es in der Barockstadt mit Wohnungen für Studenten aus? Solche Horrormeldungen wie die obigen, gibt es aus Fulda nicht. „Wir können ganz klar sagen, dass wir in Fulda kein Wohnungsproblem haben“, sagt Claudia Ebert, Leiterin des Studienbüros der Hochschule Fulda gegenüber OSTHESSEN-NEWS. Denn auch in den umliegenden Gemeinden gibt es verfügbaren Wohnraum. „Durch das Semesterticket ist es kein Problem mit dem öffentlichen Nahverkehr schnell und günstig auch von etwas weiter entfernten Gemeinden zur Hochschule zu kommen“, so Ebert.

Doch das ist für die Studierenden meist nur die Notlösung. Sie wollen so nah wie möglich an der Hochschule wohnen. Das haben auch die privaten Vermieter erkannt, die die Mietpreise für Wohnungen in direkter Nähe zur Hochschule in den letzten Jahren stark erhöht haben. Mittlerweile liegen sie zwischen neun und elf Euro Kaltmiete pro Quadratmeter. Das nehmen die meisten Studenten jedoch in Kauf. „Die Nähe zur Hochschule ist für viele wichtiger als der Preis“, bestätigt Ebert. Das liegt auch daran, dass immer mehr Studierende Unterstützung von zu Hause haben. Bei vielen Eltern erwache eine Art Beschützerinstinkt, berichtet Ebert. Sie wollen für ihre Kinder nur das Beste und sind dafür gerne bereit, ihnen finanziell unter die Arme zu greifen.

Diejenigen, die diese Unterstützung jedoch nicht haben, schauen immer öfter in die Röhre. So wie Chantale Ebert. Die 22-jährige aus Geisa in Thüringen fängt in diesem Wintersemester ihr Studium in Fulda an. Sie beschreibt die Wohnungssuche als sehr schwierig. „Ich habe sehr, sehr viele Anfragen an Vermieter gestellt. Oftmals habe ich nicht mal eine Antwort bekommen“, berichtet Ebert. Auch sie wäre bereit, für ein zentral gelegenes WG-Zimmer mehr zu zahlen als für eine Wohnung außerhalb. Sie begründet dies mit der schlechten Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. „Klar kommt man auch aus Nachbargemeinden mit dem Bus zur Uni, aber wenn man in der Stadt mal schnell ein paar Sachen zu erledigen hat, ist jedes Mal mit dem Bus zu fahren nicht ideal", sagt sie. Die Thüringerin sieht auch einen direkten Zusammenhang zwischen dem schwierigen Wohnungsmarkt und der Tatsache, dass die Hochschule durch immer mehr Studiengänge weitere Studenten in die Stadt lockt.

Abhilfe könnten da die Studentenwohnheime des Studentenwerks Gießen schaffen. Sie sind sehr zentral gelegen und die Mietpreise noch überschaubar. Die Preisspanne liegt hier zwischen 195 – 459 Euro für einen Wohnheimplatz. Allerdings sind alle 466 Plätze des Studentenwerks zum kommenden Semester schon vermietet; und auf der Warteliste befinden sich immer noch über 300 Studenten. Deshalb geht das Studentenwerk auch noch andere Wege, um Studierenden auf der Suche nach einer geeigneten Unterkunft zu helfen. So rief sie das Projekt "Netzwerk Wohnen" ins Leben, bei dem sie Angebote privater Vermieter und Nachfragen wohnungssuchender Studierender in einer Online-Wohnbörse veröffentlicht.

Zwar gestalte sich die Wohnungssuche der Studierenden in Fulda laut Studentenwerk ähnlich wie in den vergangenen Jahren, dennoch ist es auch in diesem Semester für viele Studenten ein großes Problem eine passende Unterkunft zu finden. Ganz so easy wie viele denken, ist das Studentenleben also doch nicht. (Felix Hagemann)+++