Hoffnung auf Veränderung

Nüster fordern Hochwasserschutzmaßnahmen: "Wir saufen hier ab"

Nüst im Mai 2019: Hochwasser bedrohte den Stadtteil Hünfelds. Zukünftige Hochwasserschutzmaßnahmen sollen diese Szenarien vermeiden.
Fotos (3): Andreas Heinz

09.10.2019 / HÜNFELD - Auf der Nüster Dorfbrücke fand am Dienstagnachmittag eine Versammlung in Bezug auf den Hochwasserschutz statt. Anwohner beziehungsweise Betroffene, einige Mitarbeiter der Stadt Hünfeld, Mitglieder des Naturschutzbundes und Diplom-Ingenieur Otto Bildhäuser tauschten sich über Sorgen, Bedenken und zukunftige Vorhaben aus. Passend zur Thematik regnete es immer wieder. 

Die Wetterverhältnisse in den vergangen Jahren haben verdeutlicht, dass Starkregen oder Dauerregen zu kritischen Lagen beim Durchfluss der Nüst durch den Stadtteil Nüst führen. Ein effektives Hochwasserschutzkonzept fehlt bis heute für diesen Ort. Objektschutzmaßnahmen gelten bisher nur für den Bereich Brückenmühle, Haunemühle und Kläranlage. Es kam in den letzten zehn Jahren zunehmend zu kritischen Wasserständen der Nüst und zu Hochwasserschäden in der Gemarkung Nüst und Mackenzell. Auch in diesem Jahr im Mai blieb Nüst nicht von einer Überschwemmung verschont.

Ingenieur Otto Bildhäuser vom Wasserverband Haune informierte die Nüster über den Stand der Dinge. "Oberhalb von Mackenzell geht es los. Es gibt einige Stellen, wo sich was anstaut bis zur Haune hin." Bildhäuser beteuert den Anwesenden, dass der Hochwasserverband nach Lösungen suchen möchte. "Das Ganze Vorhaben ist dennoch nicht ganz so einfach. Es muss mit mehreren einzelne Schritte abgestimmt werden." Es sei eine Frage des Geldes und mit den Eigentümern müsse zusammengearbeitet werden.

Die Anwohner nehmen die Lage sehr ernst: "Irgendwas muss passieren hier. Es muss alles angepasst und naturgerecht beigefügt werden, damit das Wasser durchlaufen kann", heißt es in der Runde. Weitere Probleme sehen viele im Wehr, der schnellstens raus soll. Bieberburgen und das Naturschutzgebiet stellen ebenfalls Hürden dar. Dort würden sich nasse Stämme am Boden festsetzen und das Wasser zum Ansammeln bringen.

Der Betroffene Andreas Heinz fordert umgehende Maßnahmen: "Es muss was gemacht werden, nicht morgen, sondern heute. Wir saufen hier ab." Heinz ist auch derjenige, der das Treffen ins Leben gerufen hat. "An der Nüst habe ich drei Häuser, die beim letzten Hochwasser über 5.000 Euro Schaden hatten und bis heute hat sich keiner darum gekümmert. Deshalb habe ich es selbst in die Hand genommen."

Eine Frage drängt sich den Bürgern besonders auf: Wann geht es nun endlich vorwärts, damit die Bagger mit den sogenannten Anlandungen anfangen können? Bildhäuser verspricht, dass sich in ein paar Wochen endlich etwas tun würde. Über den Sachstand wollen die Nüster laufend informiert werden. Es soll nicht das letzte Treffen sein. "Sollte etwas nicht nach Plan laufen, werden wir uns wiedertreffen", so der Ingenieur.

Das Treffen nutzten die Nüster, um eine Petition mit Forderungen weiterzureichen. Diese enthält unter anderem folgende Punkte:
- ein Hochwasserschutzkonzept für die Gemarkungen Mackenzell und Nüst, bei dem der Objektschutz im Vordergrund steht, um Einrichtungen und Häuser der Bürger zu schützen
- regelmäßige Überwachungen der Uferbereiche und Auestrukturen an der Nüst
- Maßnahmen, die Hochwasserpegel durch Nutzung und Schaffung von Rückhaltemöglichkeiten bereits vor dem Durchflussbereich der Gemarkungen Nüst und Mackenzell reduzieren, um die steigende Staugefahr im Bereich des Zusammenflusses von Nüst und Haune unter Kontrolle zu bringen

Benjamin Tschesnok (CDU) leitet die gesammelten Unterschriften an den Bürgermeister weiter. Er ist ehrenamtlich unterwegs und steht zur Wahl als Bürgermeisternachfolger von Stefan Schwenk. Er wollte sich selbst ein Bild von der Situation und den ersten geplanten Maßnahmen machen. "Es muss was gemacht werden. Es soll keiner mehr zu Schaden kommen." (Maria Franco) +++