Sommerliches Massensterben

Tod unter blühenden Linden: Hungrige Hummeln verenden an Nektarquellen

Im Bad Hersfelder Stiftsbezirk ist ein Massensterben von Hummeln unter Lindenbäumen zu beobachten.
Fotos: Stefanie Harth

18.07.2019 / BAD HERSFELD - Hunderte tote Hummeln säumen aktuell die Gehwege im Bad Hersfelder Stiftsbezirk. Unter den Linden, den Nektarquellen der Blütenbesucher, ist alljährlich im Sommer ein Massensterben zu beobachten. Der Grund: Die Energiereserven der Insekten sind schlichtweg aufgebraucht; sie verhungern – ausgerechnet unter den Bäumen, die mit ihren betörend duftenden Blüten die Hummeln magisch anziehen.

Zum Blühzeitpunkt der Linden ist das weitere Nektarangebot nicht gerade berauschend – die Nahrung wird knapp. Immer steriler werdende Gärten und Grünanlagen steuern ihr Übriges bei. In Scharen „stürmen“ die Hummelvölker, die im Gegensatz zur Honigbiene kaum Vorräte anlegen, die Linden. „Der Nektar reicht für die vielen Tiere nicht aus“, sagt Dr. Kathrin Kaltwaßer vom NABU-Landesverband Hessen. „Sie verbrauchen beim Sammeln zu viel Energie und verenden, völlig entkräftet, unter den letzten verbliebenen Nahrungsquellen.“

Die Referentin für Umweltkommunikation legt Garten-, Terrassen- und Balkonbesitzern ans Herz, Pflanzen, die Hummeln, Wildbienen und Schmetterlinge glücklich machen, anzubauen. „Dazu zählen Lavendel, Kornblumen, Borretsch, Weißdorn, Beerenbüsche und Obstbäume“, erläutert Dr. Kathrin Kaltwaßer. „Selbst auf dem kleinsten Balkon findet sich ein Plätzchen für blühende, nektarliefernde Pflanzen, die Ästhetik und Nutzen verbinden.“ Geranien sind übrigens absolut nutzlos – sie produzieren weder Samen noch Pollen oder Nektar.

Wie die NABU-Sprecherin berichtet, seien Hummeln eher konservativ: „Sie brauchen etwas Verlässliches und probieren nicht gerne Neues aus.“ Wo sich eine vielfältige Pflanzenwelt verzeichnen lasse, gäbe es auch kaum tote Hummeln. (Stefanie Harth) +++