Ein Stück Geschichte wird lebendig

"Glücksfund": Wurzeln des Pfingstmarktes gehen auf fürstliches Privileg zurück

Ein "Glücksfund" im Alsfelder Stadtarchiv gibt Klarheit über die Geschichte des Alsfelder Pfingstmarktes.
Fotos: Luisa Diegel

16.05.2018 / ALSFELD - Wie alt ist eigentlich der Pfingstmarkt, was sind seine Wurzeln, wo kommt er her? Mit diesen Fragen beschäftigten sich vor vier Wochen die Stadtarchivare Michael Rudolf, Dr. Nobert Hansen und Hans-Jürgen Stinder. "Die erste Suche blieb erfolglos", so Rudolf. Doch im Staatsarchiv Darmstadt wurden die Archivare fündig - der Urkundenbestand hielt ein "Glücksfund" bereit.

Drei Tage vor dem offiziellen Beginn des traditionellen Alsfelder Pfingstmarktes wurde das große Geheimnis im Stadtarchiv gelüftet: Ein stark gefaltetes Dokument mit einem großen und beeindruckenden Siegel, das seit Jahrzehnten wohl von keiner Menschenseele mehr berührt wurde brachte Klarheit in die Geschichte des langjährigen Alsfeder Jahrmarktes.

Festzustellen ist, dass der Alsfelder Pfingstmarkt als etablierter Markt zwar vor dem 17. Jahrhundert eingerichtet worden war, wobei bereits Wilhelm Gottlieb Soldan in seiner Geschichte der Stadt Alsfeld auf die Existenz des Pfingstmarktes hinweist, wenn er über eine Klage der Alsfelder Schuhmacher 1558 spricht, die sich dagegen wehren, dass sich fremde Händler während dieser zunächst "unfreien" und nur für die Alsfelder vorbehaltenen Marktes gemischt hätten und die heimischen Handwerker nachdrücklich auf Abstellung dieses für sie unerträglichen Umstandes pochten.



"Das Spektakuläre an diesem Dokument ist, dass Landgraf Ludwig VI. aus einem 'unfreien Markt' einen 'offenen freien Jahrmarkt' machte und damit der Stadt Alsfeld und alle, die sich dort einfinden konnten, die Erlaubnis erteilte, ihre Ware anzubieten und den Markt zu besuchen. Alsfeld kann somit in 2018 die 350. Wiederkehr des Jahres begehen, in dem der 'unfreie Markt' zu einem 'offenen freien' Jahrmarkt wurde." Das vorliegende Dokument vom 18. September 1668 ist also die Geburtskunde des heutigen Pfingstmarktes.



Man fand außerdem heraus, dass in Alsfeld in der Walpurgisnacht ein freier Markt gehalten worden ist - durch den "Konkurrenzkampf" mit der Marburger Messe wurde dieser aber dann auf Pfingsten verlegt. Somit bewilligte Landgraf Ludwig VI. am 18. September 1668, dass der unfreie Markt des Pfingstdienstages zu einem offenen freien Jahrmarkt wird. Wenn also Bürgermeister Stephan Paule am Freitagabend den Pfingstmarkt eröffnet, kann er das in Erinnerung einer über dreihundertjährigen Tradition tun. (ld) +++