"Wegen ein bisschen Munition..."

Das meinen die O|N-Leser über den gesperrten Rauschenberg

Das Betreten der inneren Waldwege ist seit Jahren untersagt - ganz zum Ärger mancher Spaziergänger.
Fotos: Privat

16.09.2020 / PETERSBERG - Das Thema "Rauschenberg" bewegt die Gemüter: Vor rund drei Jahren wurden auf dem beliebten Ausflugsziel Stabbrandbomben gefunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass noch mehr Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg am Rauschenberg liegen, ist nach Einschätzung der Gemeinde hoch.

Die Wege im Waldgebiet wurden gesperrt, wer dennoch hier spazieren gehen möchte, muss den äußeren, asphaltierten Rundwanderweg nehmen. Eine Entscheidung, die einige Besucher des Ortes trotz potenzieller Gefahr nicht verstehen. Aus diesem Grund wird das Betretungsverbot von manchem Wanderer einfach ignoriert, weiß auch der Bürgermeister von Petersberg, Carsten Froß (CDU).

"Wer trotz der Sperrungen die Wege betritt, handelt ordnungswidrig - das kann eine entsprechende Ahndung nach sich ziehen." Der Gemeinde sei bewusst, dass die Errichtung von Verbotszonen für manche Bürgerinnen und Bürger schwer verständlich sei. "Schließlich ist 75 Jahre lang nichts passiert." Nach dem Fund von Weltkriegsmunition könne man allerdings nicht einfach die Augen vor den Tatsachen verschließen und so tun, als wäre nichts. "Die Gemeinde als Eigentümerin trägt die Verantwortung für den Rauschenberg und somit auch für die Menschen, die sich dort aufhalten. Hinzu kommt die akute Gefahr durch umstürzende Bäume. Das hat sich erst vor wenigen Wochen gezeigt, als noch vor dem Sturmtief "Kirsten" eine Buche entwurzelt worden und mitten auf den Wanderweg gestürzt ist", erklärt der Bürgermeister.

OSTHESSEN|NEWS hatte vor einigen Tagen einen Aufruf gestartet, und um Lesermeinungen zum Thema gebeten. Hier ein Auszug:


"Ich kann es nicht verstehen, dass man wegen ein bisschen Munition den Rauschenberg sperrt. Als Kinder haben wir den Berg unsicher gemacht, sind querbeet durch den Wald getobt. Man sollte das alles nicht so hoch spielen. In den Städten findet man auch Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg. Die räumt man weg und dann lebt man dort einfach weiter" schreibt beispielsweise Volker Gläser.

Karl Krasnik meint: "Ich bin seit Jahren begeisterter Rauschenberg-Spaziergänger. Ich weiß nicht mehr, seit wann die Gemeinde Petersberg davon spricht, die "gefährlichen" Kriegshinterlassenschaften und Windbrüche beseitigen zu lassen. Komischerweise habe ich noch nie solche Aktivitäten beobachten können."

Eberhard Bauer: "Wo herrscht denn auf den Hauptwegen Lebensgefahr? In 75 Jahren nach Kriegsende gab es keine gefährliche Situation am Rauschenberg, einige wenige gefährdete Bäume an den Hauptwegen hätte man allerdings längst fällen können. Ich sehe hier die Verantwortlichen der Gemeinde und des Landkreises in der Pflicht."

Judith Jeck: "Mit dem Wissen - das es gefährlich sein kann in den inneren Wegen zu spazieren oder gar an den Fitnessgeräten zu sporteln - hat die Gemeinde richtig gehandelt, auf die Gefährlichkeit hinzuweisen und die Wege zu sperren. Wer lesen kann und auch verstehen will, ist im Vorteil und kann dann entscheiden, ob er das Risiko eingehen will.  Selbstverantwortung ist gefragt."

Bernd Weber: "Wir haben vor 60 Jahren als Kinder jedes "Bombenloch" und den ganzen Rauschenberg durchkämmt. Da ist nie etwas passiert. Noch ältere Bürger als ich (71) berichten, dass sie damals besagte Reste der Stabbrandbomben aufgeschnitten haben, um mit dem Inhalt (Magnesium) eine Lunte zu legen und die Reste abzubrennen. Sicher zur Nachahmung nicht empfohlen aber...war halt so. Anders sieht es bei den Bäumen aus. Da droht sehr wohl Gefahr. Die ist nicht wegzureden. Deshalb bitte da handeln."

Das sagt die Gemeinde

Auf die Frage, ob die Gemeinde plane, Maßnahmen zu ergreifen, um den bestehenden Problemen entgegenzuwirken, antwortete Carsten Froß: "Erst vor Kurzem sind neue, zusätzliche Schilder aufgestellt worden, die an allen Zugangsstellen auf die Sperrungen hinweisen. Darüber hinaus ist ein detaillierter Zeitplan entworfen worden, um die Probleme auf dem Rauschenberg anzugehen. Unser Ziel ist es, den Rauschenberg als Naherholungsgebiet wiederherzustellen." (Miriam Rommel) +++

Es wird vermutet, dass auf dem Petersberger Rauschenberg noch mehr Munition aus dem Zweiten Weltkrieg liegt.