Notfall-Tourismus-Konzept gefordert

Mehr Hilfe für Gastronomen! CDU will Außenbewirtung bis 24 Uhr zulassen

Mehr Hilfe für Gastronomen in Fulda! Die CDU will Außenbewirtung bis 24 Uhr zulassen.
Archivfoto: Hendrik Urbin

23.05.2020 / FULDA - Seit einer Woche ist die Gastronomie in Hessen wieder geöffnet - unter strengen Auflagen. Jetzt wird die Kritik an der Fünf-Quadratmeter-Regel aber immer lauter. „Sie ist zu hart und gilt in keinem anderen Bundesland - warum bei uns?“, heißt es aus den Gastro-Betrieben in Fulda. Das Wirtschaftsministerium will diese Corona-Regel nun auf den Prüfstand stellen. Anfang kommender Woche wird die Landesregierung darüber entscheiden. Aus Wiesbaden hört man am Freitagabend, es wird an einer Lösung gearbeitet. Heißt: Die Regel wackelt.

Nur ein Gast darf derzeit pro fünf Quadratmeter Fläche bewirtet werden. Das ist vielen Kneipen-Betreibern zu wenig. Sie können aktuell nur die Außengastronomie mitnehmen, weil ihnen der notwendige Platz im Inneren des Lokals fehlt und sich die Öffnung dann für die wenigen Gäste finanziell nicht lohnt. Sie lassen lieber zu - und das führt langfristig zur Pleite.

CDU will Außengastronomie bis Mitternacht öffnen


Jetzt will die Stadtpolitik in Fulda helfen. Die Spitze der CDU-Fraktion fordert vom Magistrat ab 29. Mai die Öffnungszeiten der Außengastronomie um eine Stunde, von 23:00 bis 24:00 Uhr, in den Sommermonaten zu verlängern und die Flächen zu vergrößern. Dazu erklärt Patricia Fehrmann: „Nicht nur am Wochenende, sondern an sieben Tagen in der Woche. Wir setzten uns für die Gastronomen ein, denn sie ist unverzichtbarer Teil in unserer schönen Stadt und absoluter Frequenzbringer. Gerade die Innenstadt und der Handel leben vom Tourismus und der Gastronomie.“

Niemand fordert hingegen die Abschaffung der Einhaltung der Abstandsregeln von 1,5 Metern. Die Betreiber kritisieren aber, dass die Gäste nicht umfassend informiert sind und nicht wissen, was geht und was nicht. Es fehlt an Aufklärung seitens der Behörden, gerade auch bei der Dokumentationspflicht „Hinterlassung persönlicher Daten“.

Das sagen die Domstadt-Gastronomen


Frank Götte, Chef in der Bier-Kneipe Windmühle mitten im Bermudadreieck, muss viel diskutieren und aufklären. Er wünscht sich eine tägliche Öffnung bis 0 Uhr. „Das würde uns sehr helfen, denn in der Mühle kann ich nur maximal 18 Personen gleichzeitig bewirten. Ich muss im schlimmsten Fall Stammgäste abweisen und das sorgt dann für Ärger. Normalerweise haben wir am Wochenende zwischen 70 und 100 Gäste.“ Ähnlich sieht es auch Korab Nivokazi von der Barock-Bar: „Längere Öffnungszeiten bei diesem herrlichen Wetter bedeuten mehr Umsatz - und den brauchen wir jetzt. Das Wetter spielt uns in die Karten.“

Die Chefin im Romantik-Hotel Goldener Karpfen, Renate Tünsmeyer, berichtet: „Unsere Gäste wollen raus. Sie sehnen sich nach dieser Zeit der Krise, Home-Office und Co. danach, sich draußen bedienen zu lassen. Wir bieten am Simpliziusbrunnen ein Bad im Grünen und brauchen jeden Platz, und zwar bis Mitternacht. Wir müssen das Motto ‚Liebenswert - Lebenswert‘ gerade jetzt vorleben.“

Der heimische DEHOGA-Vize und Geschäftsführer vom Parkhotel Kolpinghaus, Christof Weisenborn, sagt: „Wir leiden noch immer stark und es muss Bewegung in die Sache kommen. Das Herzliche und der Geist der Gastronomie fehlt.“ Seine Forderung: „Wir brauchen ein Notfall-Tourismus-Konzept.“

Der Musicalsommer fällt aus, das Stadtfest, das Weinfest, alle Großveranstaltungen - die Gastro-Branche leidet massiv. „Solange wir an die Regelungen vom Land gebunden sind, müssen wir Alternativen entwickeln, um unsere Innenstadt attraktiv zu halten“, erklärt CDU-Fraktions-Vize Hans-Dieter Alt. Er kann sich beispielsweise gut mehrere bis zu 100 Personen-Konzerte  zeitversetzt in der Innenstadt vorstellen. „Das erwartet Fulda von uns. Ohne Gastronomie, kein Handel - und wenn niemand kommt, bricht es der Innenstadt das Genick.“ (Christian P. Stadtfeld). +++