Finanzieller Ruin droht!

Werden Heilmittelerbringer vom Rettungsschirm aufgefangen?

Bilder aus besseren Tagen: Michael Franz (l.) von Zentrum Mensch und viele weitere Physiotherapeuten müssen dieser Tage mit weniger Patienten auskommen.
Fotos: Privat

26.03.2020 / REGION - Ob Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden oder Podologen – unter den sogenannten Heilmittelerbringern wächst in diesen Tagen allerorts die Verzweiflung. Grund ist, dass wegen der Corona-Krise immer mehr Patienten ihre Behandlungstermine absagen. Die selbstständigen Praxisinhaber und deren Angestellte bringt das immer näher an den Rand des wirtschaftlichen Ruins. 

Sollten die Praxen aus finanziellen Gründen schließen müssen, wird dies auch im Landkreis Fulda nicht nur jetzt in der Krise, sondern auf Dauer massive Versorgungsprobleme bringen, was am Ende allen Patienten schadet. Ob Heilmittelerbringer finanziell gestützt werden, ist allerdings offen. "Sollte dies nicht der Fall sein, nimmt die Politik wissentlich die Insolvenz von vielen tausend Heilmittelerbringern in Kauf und gefährdet damit hunderttausende von Arbeitsplätzen und die Gesundheit der Bevölkerung", bringt es Ute Repschläger, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV), auf den Punkt.

Die Heilmittelbereiche Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie leiden laut SHV seit Jahren unter sehr geringen Vergütungssätzen. "Und bei den derzeitigen Umsatzrückgängen um 60 bis 90 Prozent sind die finanziellen Rücklagen dann schnell aufgebraucht, wenn es sie überhaupt gibt", verdeutlicht Repschläger. "Patienten sagen uns wegen der Krise ab oder sind Risikopatienten", sagt Kathrin Schröder, selbstständige Physiotherapeutin, und weiter: "Das kann man vielleicht einen Monat überbrücken, aber danach sieht es dann sehr schlecht aus." Für die Patienten ebenfalls ein hohes Risiko, die so den Heilungsprozess verzögern oder gar gefährden.

Auch bei Zentrum Mensch ist der starke Patientenrückgang spürbar: "Es sagen sehr viele ab. Ich halte den Betrieb beim Physiotherapeuten aber sicherer als beim Einkaufen", sagt Michael Franz. Die Praxis in Eichenzell hält sich genau an die hygienischen Vorgaben, Franz sieht darin allerdings auch eine Stolperfalle: "Diese Maßnahmen sind wirtschaftlich auch ein Problem." Alternativ arbeitet Zentrum Mensch per Videoübetragung. Patienten, bei denen ein unmittelbarer Kontakt nicht nötig ist, können so weiterbehandelt werden.

Der Verband fordert finanzielle Soforthilfen von der gesetzlichen Krankenversicherung in Form von Ausgleichszahlungen. "Wenn wir keine Leistung erbringen können, entstehen den Krankenkassen keine Kosten. Ganz im Gegenteil: Sie profitieren finanziell von dieser Situation", sind sich alle SHV-Mitgliedsverbände einig: "Denn die Kosten für Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie sind im Haushaltsplan der Krankenkassen bereits eingeplant. Für die Krankenkassen ist das ein Nullsummenspiel. Den Heilmittelerbringern rettet das aber deren Existenz– und darauf kommt es im Moment mehr denn je an. Andernfalls ist die Versorgung mit Heilmitteln in der Zukunft gefährdet." (pm/tw) +++

Michael Franz von Zentrum Mensch.
Fotos: Privat