Chefetage komplett getauscht!

Wende! Raiffeisenbank Asbach-Burghaun will mit VR-Bank NordRhön fusionieren


Foto: ON-Archiv

25.03.2020 / HÜNFELD - Diese Nachricht hat in der regionalen Finanzwelt höchste Brisanz. Nachdem die Raiffeisenbanken von Asbach-Sorga und Burghaun erst im Jahr 2019 erfolgreich fusioniert haben, steht jetzt - nur wenige Monate später - der nächste große Fusions-Akt an. Elmar Oss, Aufsichtsratschef von Asbach-Burghaun, hat die Mitglieder in einem Schreiben (liegt OSTHESSEN|NEWS vor) darüber informiert, dass seitens des Gremiums grünes Licht für die Aushandlung eines Verschmelzungsvertrages mit der VR-Bank NordRhön eG gegeben wurde. Er spricht von "entscheidenden Weichenstellungen" - strategisch wie personell. Die Beschlussfassung über die Fusion könnte bereits auf der ordentlichen Generalversammlung im Juni 2020 fallen.

Kürzlich hatte es erheblichen Zoff im Vorstand der neu fusionierten Bank gegeben. In diesem Zuge musste Thomas Hüttner zuerst den Chefposten räumen. Jetzt wird bekannt: auch seine beiden Ex-Kollegen Carsten Glebe und Hartmut Schenk sind "mit sofortiger Wirkung aus dem Leitungsorgan ausgeschieden", heißt es in dem Papier. Offiziell hat sich über die Hintergründe niemand geäußert. O|N erfuhr aber aus gut unterrichten Kreisen, dass es zu einem internen Machtgerangel im Team gekommen sei.

Wichtig ist jetzt: Alles läuft geordnet weiter. Die neue Mannschaft in der Chefetage steht bereits. Aus dem Haus des zukünftigen Fusionspartners werden Vorstandsmitglied Walter Mengel und Tim Schnabel, früheres Vorstandsmitglied der Raiffeisenbank Haunetal, neu in den Vorstand berufen.

"Damit tragen wir sowohl der Entwicklung im Bankenmarkt als auch der unserer Bank Rechnung. Wir wollen jetzt die Chance ergreifen, unsere eigene Zukunft gemeinsam mit einem starken Partner aktiv zu gestalten. Unser Maßstab dabei ist die bestmögliche Erfüllung des Förderauftrags für die Mitglieder und die Kunden", so Oss in dem Brief, der von ihm und seinem Stellvertreter Frank Wiegand unterzeichnet ist. In einer Pressemitteilung erklärt der Aufsichtsrat derweil weiter, dass eine Fusion mit dem benachbarten größeren Partner "als notwendig, um die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Finanzdienstleistungen an unseren Standorten und die Arbeitsplätze nachhaltig zu sichern. Angesichts eines hohen Fusionstempos in Hessen haben wir jetzt die Chance, unsere eigene Zukunft aktiv zu gestalten. Gleichzeitig wollen wir den Charakter der Ortsbank mit hoher persönlicher Bindung, menschlicher Zuwendung und ausgeprägter lokaler Präsenz erhalten."

"Arbeitsbelastung unserer Mitarbeiter an absoluter Grenze"

Die VR-Bank NordRhön kommt auf eine Bilanzsumme von annähernd 1,2 Milliarden Euro, hat knapp 200 Mitarbeiter und rund 21.000 Mitglieder. Als Begründung für das geplante Zusammengehen verweist Elmar Oss auf die im vergangenen Jahr nochmals verschärfte EZB-Politik der Negativzinsen und die hohe Dynamik des Marktes: "Als die Fusion zwischen Asbach und Burghaun eingeleitet wurde, ging die gesamte Fachwelt davon aus, dass im Laufe des Jahres 2019 die Normalisierung der Zinslandschaft beginnen würde. Stattdessen hat die EZB im vergangenen September den Negativzins auf -0,5 % erhöht. Eine Zinswende ist aktuell überhaupt nicht mehr absehbar. Angesichts der anhaltenden Regulierungswelle und eines sich dramatisch verschärfenden Wettbewerbs in gesättigten Märkten geraten gerade die kleineren Ortsbanken zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Im Zuge dessen ist die Arbeitsbelastung unserer Mitarbeiter an eine absolute Grenze gelangt."

Vertreter von Bundesbank und Bankenaufsicht sprechen sich immer wieder öffentlich für Fusionen aus. Der kontinuierliche Fortgang der Strukturveränderung durch 21 Zusammenschlüsse in 2019 allein im Gebiet des Genossenschaftsverbandes spiegelt die insgesamt schwierigen Rahmenbedingungen zwischen Regulierung, Markt und Investitionsbedarf, um die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, wider.

"Als regional verwurzelte Genossenschaftsbank wollen wir das Bewahren, was uns schon heute auszeichnet und unsere angebotene Leistung gemeinsam weiterentwickeln. Das ist uns bereits bei den Fusionen mit den Raiffeisenbanken Haunetal und Langenschwarz gut gelungen", sagt Walter Mengel zum Start der Zusammenarbeit. "Soweit es möglich ist, sollen die Kunden ihre vertrauten Ansprechpartner behalten. Die haben dann jedoch mehr Entscheidungskompetenzen und durch die in einem größeren Haus mögliche Entlastung von Verwaltungsaufgaben mehr Zeit für die Betreuung und Beratung. Das wird sich insbesondere in der Baufinanzierung, im Wertpapier- und im Firmenkundengeschäft bemerkbar machen. Durch das Zusammengehen können die Standorte gesichert werden." (Christian P. Stadtfeld) +++

Elmar Oss, Aufsichtsratschef der VR Bank Asbach-Burghaun.
Foto: Privat