Gottesdienste per Livestream

Stadtpfarrer Buß: "Wir entwickeln uns zu einer virtuellen Kirchengemeinschaft"

Stadtpfarrer Stefan Buß predigt vor leeren Bänken - doch über den Livestream verfolgen ihn Hunderte Gläubige
Fotos: Innenstadtpfarrrei Fulda

27.03.2020 / FULDA - Die katholische Innenstadtpfarrei Fulda ist in Zeiten der Corona-Krise einer der Vorreiter auf dem Gebiet virtueller Gottesdienste. Ob Livestream-Angebote über einen Youtube-Kanal oder eine Telefonhotline für Menschen ohne Internet - Stadtpfarrer Stefan Buß und sein zehnköpfiges Team bringen die Kirche in das heimische Wohnzimmer.

"Wir arbeiten mit zwei Livestream-Teams und senden täglich aus der Michaelskirche in Fulda sowie der Stadtpfarrkirche", erklärt Stadtpfarrer Stefan Buß stolz. Er erinnert sich noch an die Anfänge zurück: "Am 14. März war so weit noch alles in Ordnung. Auf dem Markt in Fulda grüßte ich noch viele Gläubige und lud sie zum Gottesdienst in die Kirche ein. Wer hätte gedacht, dass ich ein paar Stunden danach vor leeren Bänken predigen würde."

Das Livestream-Angebot besteht in Fulda bereits seit drei Jahren. Ursprünglich war dies für Menschen in Altenheimen gedacht. "Wir können von Glück sprechen, dass wir bereits mit dieser Art des Gottesdienstes vertraut sind und in der aktuellen Lage nicht bei Null anfangen müssen." Den ersten Gottesdienst aus der Stadtpfarrkirche verfolgten rund 6.000 Nutzer über Youtube. "Es ist eine große Bestätigung und wir verzeichnen durchweg positive Rückmeldungen. Ein Ehepaar berichtete mir, dass sie die Gottesdienste im Dom in der Vergangenheit nie besuchten, doch jetzt - über ihren Computer - verpassen sie keinen einzigen mehr."

Tagesimpulse per Whatsapp

Das gängige Kommunikationsnetzwerk WhatsApp trägt ebenfalls zu der "neuen" Kirchengemeinschaft bei. "In mehreren WhatsApp-Gruppen versende ich regelmäßig einen Tagesimpuls." Angst sei in diesen Tagen ein sehr schlechter Berater. "Ich möchte den Menschen Mut zusprechen und sie positiv stimmen. Auch in dieser schweren Zeit müssen wir zusammenhalten und auf Gott vertrauen", erklärt er im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS.

Telefonhotlines eingerichtet

Doch nicht jedes Mitglied der Kirche besitzt einen Internetzugang. "Für diese Personen haben wir eine Telefonhotline eingerichtet, über die sie beispielsweise über ihre Ängste sprechen können." Hier geht es oftmals um Zuhören, Mut machen und füreinander da sein. "Ohne unsere Ehrenamtlichen würden wir dieses Angebot nicht stemmen können." Und auch eine zweite Hotline ist für die Menschen, die alleine Zuhause sitzen, da: "Eine ältere Dame erzählte mir, dass im Moment niemand nach ihr schauen kann. Sie fühlt sich einsam, hat Angst. Wir rufen sie nun täglich an. Das gibt ihr sehr viel Kraft."

Egal ob jung, alt, Familien oder Alleinstehende - das Team der Innenstadtpfarrei möchte jeden Gläubigen erreichen: "Wir bekommen sehr viele Zusendungen als Foto oder Video. Kinder stellen den Kreuzweg von Jesu mit Playmobilfiguren nach oder basteln zusammen eine Kirche. Das bedeutet uns allen sehr viel."

Ostern Zuhause?

Da die Osterfeierlichkeiten in diesem Jahr ausfallen werden, hat sich das Team viele Alternativen überlegt: ob multimedialer Familienkreuzweg, Kreuzverehrung oder Palmsträuße. "Wir wollen unseren Gläubigen die Möglichkeit geben, Palmenblätter Zuhause zu binden und diese dann in die Kirche zu bringen. Dort werden sie während dem virtuellen Gottesdienst gesegnet und können anschließend abgeholt werden." Die genauen Anleitungen und Informationen sollen zeitnah veröffentlicht werden.

Wie es nach Ostern weitergehen wird, weiß im Moment noch niemand. Bis dahin hoffen Buß und sein Team auf noch mehr Abonnenten für ihren Youtube-Kanal "Innenstadtpfarrei Fulda". "Der erste Gottesdienst vor leeren Bänken war für mich sehr befremdlich, doch mittlerweile ist es für mich eine Erfüllung. Ich sehe meine virtuelle Kirchengemeinschaft vor mir. Immer."

Das gesamte Programm, speziell für die Kar- und Ostertage, gibt es auf: https://www.stadtpfarrei-fulda.de/fuldakatholischestadtpfarrei/ (Nina Bastian) +++