Parlamentarier stimmen ab

Brücken bauen über Gleise in Weiterode und nachbarschaftlich in Imshausen


Fotos: Gudrun Schmidl

15.02.2020 / BEBRA - Die Stadtverordnetenversammlung im Bebraer Rathaus am  Donnerstag stand zunächst ganz unter dem Eindruck des Abschieds vom noch amtierenden Bürgermeister Uwe Hassl und der Ernennung und Verpflichtung des künftigen Bürgermeisters Stefan Knoche. Doch es galt, konzentriert und sachbezogen zur Tagesordnung überzugehen. Ohne Aussprache und letztendlich einstimmig wurde der Beschlussvorschlag zum Verkauf einer Teilfläche in Größe von ca. 2.300 Quadratmetern aus dem Grundstück Gemarkung Bebra, Flur 14, Flurstück 30 an die Firma Erich Fritsch GmbH abgesegnet. Es handelt sich um einen seit mehr als 50 Jahren in Bebra ansässigen Familienbetrieb, der eine größere Betriebsstätte benötigt, um die Zukunft sicherzustellen.

Gebaut werden soll auch im Stadtteil Imshausen. Namens der CDU-Fraktion nahm Michael Gauler zu dem Tagesordnungspunkt 10 „Aufstellungsbeschluss und Beteiligung der Öffentlichkeit zum Bebauungsplanes Nr. 120 „Mehrgenerationen-Wohnen-Imshausen“ in der Gemarkung Imshausen, Flur 1, Flurstücke 21, 33, 34/2 und 36 sowie die Flächennutzungsplanfortschreibung Nr. 6 der Stadt Bebra Stellung: „Das Projekt bietet die Möglichkeit, den bekannten negativen Folgen des demografischen Wandels gerade im ländlichen Raum durch ein neues Angebot gemeinsamen Lebens entgegenzutreten“ und ergänzt: „In der letzten Zeit waren nämlich vermehrt Rufe zu vernehmen, dass sich zwar in der Kernstadt Bebra viel getan habe und für die Kernstadt auch vieles auf den Weg gebracht wurde, aber insbesondere in den Stadtteilen die Entwicklung stagnieren würde“.

Es gibt durchaus kritische Stimmen in Imshausen, die mit der geplanten Maßnahme nicht vollumfänglich einverstanden sind, besonders aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Der gegenseitige Respekt und die rechtzeitige Einbindung der Bevölkerung sind Voraussetzung zum Gelingen des Projektes. „Unser Leben im Dorf sollte von gegenseitigem Respekt und nachbarschaftlicher Hilfe geprägt sein“, wünscht sich der Ortsbeirat, der vorbehaltlich der Baumaßnahme zustimmt, wenn die rechtlichen und baulichen Auflagen dem Dorfbild entsprechen, die Anlieger rechtzeitig über die nahestehenden Bauabschnitte informiert werden und die Kosten für die nötige Infrastruktur nicht auf die Anlieger umgelegt werden.

Wohl wissend, dass dieses soziale, nicht auf Gewinn ausgerichtete Projekt, zu Bebras Zertifizierung „familiengerechte Kommune“ passt, dass durch die geplante Bebauung ein städtebaulicher Lückenschluss vollzogen werden kann, der zugleich den Stadtteil städtebaulich gliedern und aufwerten kann, folgten die Parlamentarier der Empfehlung des Imshäuser Ortsbeirats und stimmten mit 28 Ja-Stimmen und einer Enthaltung zu. Die einzige Nein-Stimme kam von Lothar Knoth (SPD), der seine Entscheidung begründete. Für ihn erscheint die angestrebte Transparenz recht halbherzig. Überparteiliche Gesprächsbegleitung (Mediation) zwischen beiden Seiten waren gewünscht, auch vom Ortsbeirat gefordert, kamen aber nicht zustande oder wurden abgelehnt.

In Bebra wird weiterhin viel gebaut, aber auch abgerissen. Nicht nur vereinzelte Schrotthäuser, sondern auch der Abriss der Fußgängerüberführung Weiterode (Vor der Höh´); Bahn-km Strecke 209,065 wurde seitens der Bahn angekündigt. Die CDU-Fraktion stellte einen Ergänzungsantrag zu Vorlage 5/2020. „Weiterode ist als einziger Stadtteil vollständig durch ein Schienendreieck umschlossen. Die Bahnstrecke Bebra-Eisenach zerschneidet dabei den Ort auf ganzer Länge. Aus diesem Grund gibt es in der Gemarkung Weiterode etliche Tunnelbauwerke, die es ermöglichen, die Gleisanlagen zügig zu umgehen. Durch die von der Deutschen Bahn AG im Alleingang vollzogene Sperrung der Fußgängerbrücke, die die Wohngebiete Eichbach und Bebraer Höhe verbindet, müssen von den Einwohnern allerdings erhebliche Umwege in Kauf genommen werden auf dem Weg zur Ulfetalschule, zum städtischen Kindergarten sowie zur Bushaltestelle in der Eisenacher Straße.

Bebra sucht nach einer Lösung, die den Bedürfnissen der Weiteröder gerecht wird. Die Kosten für den Abriss der alten und den Bau einer neuen Aluminiumbrücke bezifferten Bahnvertreter bei einem Termin des Magistrats Ende Januar  nun anhand von Erfahrungswerten auf rund 1,1, Millionen Euro (frühere grobe Schätzung 350.000 Euro). Der CDU ist die aktuelle Schätzung nicht fundiert genug: Sie will die Kosten von einem externen Fachbüro prüfen lassen und dafür rund 15.000 Euro investieren. Die Bahn schließt eine Sanierung der Brücke aus und beteiligt sich derzeit nicht an den Kosten für einen Neubau. Die Brücke, die laut Stadtarchivar Peter Kehm als Verbindung für Bahnpersonal zur ehemaligen Eisenbahnschule gebaut wurde, ist nur über Trampelpfade zu erreichen, die auf Bahngelände liegen. Die Nutzung durch die Weiteröder wurde geduldet.

Es soll außerdem geprüft werden, ob die Brücke einige Meter östlich in Richtung des ehemaligen Spielplatzes an der Alleestraße auf einem städtischen Grundstück gebaut werden kann. Nach intensiver Diskussion, vor allem werden deutlich höhere Kosten für das Gutachten befürchtet, entschied das Parlament mit knapper Mehrheit, eine sachgerechte Entscheidung über das weitere Vorhaben zu treffen, wenn Zahlen und Fakten über die voraussichtlichen Baukosten und über die Höhe der Fördermittel, mit denen sich Bund, Land und EU an diesem Projekt beteiligen würden, vorliegen. Anfang März soll es zum Thema eine Bürgerversammlung in Weiterode geben. (Gudrun Schmidl) +++