Frischer Wind im Rathaus

Bürgermeister Uwe Hassl verabschiedet - Stefan Knoche übernimmt Kommando

Der noch amtierende und der künftige Bürgermeister. Zwei, die sich gut verstehen.
Fotos: Gudrun Schmidl

14.02.2020 / BEBRA - Es war eine geschichtsträchtige Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag im Bebraer Rathaus. Stefan Knoche wurde in sein neues Amt als Bebras Bürgermeister eingeführt und verpflichtet. Anschließend wurde ihm die Ernennungsurkunde ausgehändigt. Stefan Knoche wurde am 8. September 2019 mit über 80 Prozent Zustimmung gewählt. Der bisherige Geschäftsführer der Bebraer Stadtentwicklungsgesellschaft SEB war der einzige Kandidat. Sein Vorgänger Uwe Hassel war aus gesundheitlichen Gründen nicht erneut angetreten und hatte das kurz vor Ende der Bewerberfrist für das Amt bekannt gegeben. Er gratulierte seinem Nachfolger am Wahlabend als Erster. Knoches Wahl sei „eine gute Entscheidung für Bebra“, ließ der Amtsinhaber seinerzeit verlauten, der an diesem Abend offiziell und würdig verabschiedet wurde. Uwe Hassl wurde im Herbst 2013 als erster parteiloser Bürgermeister in Bebra gewählt und hat sein Amt am 1. März 2014 angetreten in der festen Überzeugung, zwei Wahlperioden durchhalten zu können.

„Fest eingefahrene Gleise neu verlegen“ hat den scheidenden Bürgermeister nach eigener Aussage viel Kraft gekostet. In Bebra haben die Räder nie stillgestanden. Mit berechtigtem Stolz blickt Hassl auf die Entwicklung seiner Stadt. Mit der Sanierung des städtischen Haushaltes und der Erfüllung der Auflagen der Kommunalaufsicht war er dann bereits in 2018 fertig und kann jetzt den bereits genehmigten Haushalt 2020 seinem Nachfolger übergeben.
„Meinen Wählerauftrag als Bürgermeister habe ich wie ein Kommando über einen riesigen Flugzeugträger gesehen. Viele Begleitschiffe und ein Mutterschiff, das sich Stadt Bebra nennt. Wir haben zusammen viel erreicht und nun gebe ich nach getaner Arbeit mein Kommando in die Hände meines Nachfolgers Stefan Knoche, was mir leicht fällt, denn bei ihm wiege ich die Flotte in guten Händen“. Der Neunundfünfzigjährige wird zunächst ein „Sabbatjahr“ einlegen, um danach gestärkt sein Leben frei nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

Stadtverordnetenvorsteher Herbert Börner versicherte dem langjährigen Weggefährten Uwe Hassl, dass er ein „bestelltes Feld und eine solide Gemeinde“ übergibt. Die Erste Stadträtin Ilse Koch würdigte den noch amtierenden Bürgermeister als eine Persönlichkeit mit Ecken und Kanten, der „zwischenmenschlich einen breiten Konsens sucht“. Sie erinnert daran, dass Hassl aus einfachen Verhältnissen kommt. Als Sohn von Schaustellern fühlte er sich zu Höherem berufen, studierte Jura und hat das erste und zweite Staatsexamen abgelegt. „Du warst der Stadt ein guter Bürgermeister“ beendet Ilse Koch ihre Laudatio, die sich allerdings nie mit den Aktivitäten Hassls in den sozialen Netzwerken anfreunden konnte.

Hassl, der sich nach eigenen Worten nicht verbiegt und nicht verneigt, konnte seine Kompetenz als Jurist gewinnbringend in die erfolgreiche Stadtentwicklung einbringen, hat nie persönliche Vorteile verfolgt und wie die Ortsvorsteher betonen, immer ein offenes Ohr für die Belange der Bürgerschaft gehabt. Kritik gab es zum Abschied dennoch, denn als Mediator hat sich Uwe Hassl, der Mann mit dem Teufelchen hinterm Ohr, schwer getan. Trotz gegensätzlicher Auffassungen und heftigen Auseinandersetzungen stand für Hassl und alle Verantwortlichen immer das Wohl von Bebra an erster Stelle. Am 1. März 2020 übernimmt Stefan Knoche das Kommando. (Gudrun Schmidl) +++