Am 20. April rollen die Bagger

Sanierung der B62 Schellengasse: "Ohne Behinderungen wird es nicht gehen"

Auf einer Strecke von etwa 700 Metern wird die Hauptverkehrsader in Alsfeld saniert.
Fotos: Luisa Diegel

15.02.2020 / ALSFELD - Am 20. April geht es los: die Schellengasse in Alsfeld wird saniert. Der 23. Juli 2021 ist die große Deadline - bis dahin soll alles fertig werden. Doch über diesen langen Zeitraum bleibt die Straße nicht gesperrt. Durch fünf getaktete Teilabschnitte sollen die Zufahrten zu den Märkten, wie Rossmann oder Logo, trotzdem gewährleistet sein, auch die Anwohner sollen morgens und abends zu ihren Grundstücken kommen - wie Hessen Mobil und die Stadt Alsfeld am Donnerstagabend bei einer Bürgerinformationsveranstaltung berichteten.

Etwa 80 interessierte und betroffene Bürger waren der Veranstaltung gefolgt - die meisten wohl mit einem mulmigen Gefühl, was sie in den nächsten Monaten erwartet. Denn die Bauarbeiten können nur durch eine Vollsperrung durchgeführt werden. "Wir haben dafür klare Vorgaben, der Arbeitsschutz und der Sicherheitsabstand müssen eingehalten werden", erklärt Regionalbeauftragter Ulrich Hansel von Hessen Mobil. "Es ist eine nicht ganz einfache Maßnahme, aber wir haben versucht, die Belange der Bürger zu berücksichtigen. Dennoch sieht beispielsweise der Betreiber der ansässigen Tankstelle seine Existenz bedroht: "Wir leben nun mal vom Durchgangs- und Berufsverkehr." Hansel verspricht: "Sie werden immer für den Verkehr erreichbar sein, entweder von oben oder von unten." Denn die fünf Bauabschnitte sind so getaktet, dass die Einfahrten zu den Geschäften immer gewährleistet wird - jedoch bei der Sperrung nur in einer Richtung. "Es wird nicht ohne Behinderungen gehen, das ist klar."



Arbeiten in fünf Bauabschnitten

Das Projekt hätte bereits nach der Fertigstellung der Sanierung der B62 in der Ortsdurchfahrt von Leusel stattfinden können. "Allerdings mit zwei Winterpausen - und das hätte aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn gemacht", erklärt Günter Herles. "Deshalb starten wir nun im Frühjahr, mit nur einer Winterpause. Die ersten drei Abschnitte sind noch für dieses Jahr geplant, die anderen beiden dann im Frühjahr 2021. Wenn alles klappt, ist die B62, Ortsdurchfahrt Alsfeld, am 23. Juli fertiggestellt." Doch erst einmal geht es nach Ostern mit dem ersten Abschnitt los: vom Ludwigsplatz bis zur Zufahrt zum Drogeriemarkt Rossmann. Der zweite Abschnitt startet bei der Zufahrt zum Rossmann bis zur Ampel der Landgraf-Hermann-Straße. Von dort beginnt der dritte Bauabschnitt bis zur Zufahrt des Getränkemarkts Logo. Im nächsten Jahr beginnt vom Getränkemarkt bis hin zur Zufahrt der Tankstelle der nächste Bauabschnitt. Dann fehlt nur noch der letzte Teil bis zur Schwalmbrücke.

Durch die enorme Belastung haben sich mit der Zeit Risse, Verdrückungen und Unebenheiten gebildet, sodass die Fahrbahn, die Wasserleitung sowie die Kanäle komplett saniert werden müssen. Außerdem sollen in diesem Zuge auch Lehrrohre für einen späteren Breitbandausbau verlegt werden. Etwa 11.500 Fahrzeuge, davon 1.050 Schwerlaster, verkehren täglich auf der B62 - "am Donnerstag, oder Freitagnachmittag können das schon einmal mehr werden, wenn auf der A5 mal wieder Stau ist und die B62 als Umleitungsstrecke dient", so Herles. Diesen Verkehr heißt es nun umzuleiten: Lkws sollen über die A5, Pkws über die Marburger und Altenburger Straße umgeleitet werden.



Airclean-Granulat gegen Stickoxidbelastung

Auch in der Schellengasse sind in der jüngsten Vergangenheit hohe Stickoxidwerte gemessen worden. "Durch die Sanierung möchten wir gleichzeitig die Situation verbessern", so Hansel. Hier soll die Firma Nüdling aus Fulda weiterhelfen. Denn diese entwickelte ein Granulat aus Beton zum Einstreuern in die Asphaltoberfläche für bessere Luft und weniger Lärm. "Das Granulat ist nicht die Lösung für das Problem, aber dadurch lässt sich die Belastung verbessern", so Geschäftsführer Bernhard Klöppner - laut den Werten bei vergangenen Projekten um etwa 15 Prozent. Ob das Pilotprojekt in Mittelhessen funktioniert, sollen Messungen ergeben, die Ende März - also vor Baubeginn - und nach Abschluss der Baumaßnahme stattfinden.



"Es haut hin"

Bessere Luft, weniger Lärm klingt für die Bürger erst einmal gut. Dennoch sorgen sie sich um die bevorstehenden Baumaßnahmen: Viele haben Angst, dass sie mit dem Auto nicht mehr in ihr Heim kommen, oder dass die Kita Wichtelland plötzlich ohne Wasser dasteht. Hessen Mobil und die Stadt Alsfeld sicherten ihre Unterstützung zu: "Im schlimmsten Fall kann es passieren, dass es einen halben Tag kein Wasser gibt. Das Wasser in der Kita werden wir an einem Wochenende abstellen." Auch für die Fahrschule Griese werde sich die Stadt um Ersatzplätze kümmern, da der jetzige Platz durch die Baumaßnahmen nicht dauerhaft befahren werden kann. "Ich weiß, es gibt viele Befürchtungen, aber wir haben es so geplant, dass es einigermaßen hinhaut", versucht Hansel die betroffenen Bürger zu beruhigen. "Ja, da haben schon viele Köpfe viel Gehirnschmalz reingelegt, dass es kein Chaos gibt", ergänzt Bürgermeister Stephan Paule. (Luisa Diegel) +++