"Fröhlich, freundlich, mit frischem Blick"

Bischöfin Dr. Beate Hofmann ist keine Frau für Schlagzeilen

Hoher Besuch in der Redaktion. Bischöfin Dr. Beate Hofmann
Fotos: Jonas Wenzel (Yowe)

14.02.2020 / REGION - Die ellenlange Liste mit Antrittsbesuchen ist in den vergangenen Monaten zwar geschrumpft, aber immer noch lang genug, zumal sie sich vorgenommen hat, jeden ihrer Kirchenkreise zu besuchen. Seit Prof. Dr. Beate Hofmann im Oktober ihr neues Amt als erste Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck übernommen hat, wurde sie mit hunderten neuen Menschen konfrontiert. Die meisten von ihnen waren neugierig, wie das neue Kirchenoberhaupt "tickt", wen sie da eigentlich vor sich haben. Auch die Redaktion von OSTHESSEN|NEWS war gespannt und freute sich über den Besuch der 56-Jährigen, die sich viel Zeit zur Beantwortung unserer Fragen nahm.

Ja, sie ist in ihrem neuen Amt angekommen, bestätigt sie. Zwar wird das Bischofshaus in Kassel-Wilhelmshöhe gerade renoviert, der Umzug steht noch bevor. "Ich hoffe, dass mein Mann das organisiert. Er hat als Freiberufler gerade mehr Zeit als ich. Ich war auch als Hochschullehrerin immer viel unterwegs, aber die Schlagzahl hat sich eindeutig erhöht. Dass ich die Souveränität über meinen eigenen Kalender aufgeben musste, ist mir ziemlich schwergefallen", beschreibt sie die gravierendste Umstellung. "Und ich bin in meinem gesamten bisherigen Leben nicht so viel fotografiert worden wie im letzten Vierteljahr." Ihre mediale Präsenz führe im Alltag auch häufiger dazu, dass sie fremde Menschen auf der Straße ansprechen. 'Ach, Sie sind doch unsere neue Bischöfin', werde sie dann schon mal am Ärmel gezupft. 'Ja, das stimmt, und wer sind Sie?', frage sie zurück, damit das Kennenlernen nicht so einseitig verlaufe.

Anfeindungen gegen erste Frau im Amt?

Mit Ressentiments als erste Frau im Bischofsamt von Kurhessen-Waldeck wurde sie bislang verschont, ein paar Schmähbriefe gab es schon. "Ich spüre eher leise Vorbehalte, eine zögerliche Distanz mit der unterschwelligen Frage, ob ich denn meinen Job auch kann. Aber da war die Hochschule ein guter Lernort", sagt sie zuversichtlich. Furchtsamkeit ist nicht ihr Ding, das zeigt schon die von ihr zitierte Bibelstelle: "Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern den der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit."

Mut braucht es, um sich mit Kirchenaustritten und dem auch demografisch begründeten Schrumpfen der Kirchengemeinden und der Pfarrstellen auseinanderzusetzen. Die Bindung an Institutionen nehme allgemein ab. An der Verschlankung der Verwaltung und Leitungsfunktionen, an Kirchenkreisfusionen und neuen Formen spirituellen Lebens komme man nicht vorbei. Das mache natürlich vielen Protestanten Sorge, dass weniger Seelsorge stattfinden könnte, doch die Kirche müsse auch verantwortungsvoll haushalten. "Es muss nicht jeden Sonntag in jeder Kirche um dieselbe Zeit ein Gottesdienst stattfinden. Es gilt, Ressourcen zu bündeln und die Vielfalt gelebten Glaubens zu etablieren."

Provokante Äußerung von Kardinal Woelki

Wenn der Kölner Kardinal Rainer-Maria Woelki gerade seinen schlimmsten Befürchtungen über den Wegfall der gewohnten Hierarchie Ausdruck gibt, indem er vor einer 'Protestantisierung der katholischen Kirche' warnt, können evangelische Christen schon ins Grübeln über den Zustand der Ökumene kommen. Dr. Hofmann sieht es gelassen: "Das ist nur eine Meinung von vielen. Und es ist ganz natürlich, dass das Pendel auch mal wieder in die Gegenrichtung schwingt, doch insgesamt ist die Entwicklung zum Blick auf das Gemeinsame statt auf das Trennende der christlichen Konfessionen nicht aufzuhalten", ist sie überzeugt. Da ihr Mann katholisch ist, hat sie genügend ökumenische Praxis im Alltag.

Obwohl sie sich bereits mehrfach in aller wünschenswerten Deutlichkeit in öffentlich relevante Debatten z. B. über Organspenden oder Gefahr von rechten Populisten eingemischt hat, sucht man vergeblich nach Schlagzeilen zu ihrem Namen. "Dann habe ich keinen Fehler gemacht", konstatiert sie, denn sich ungefragt in den Vordergrund zu rücken, liegt ihr nicht. Dafür umso mehr, interessiert und aufmerksam zuzuhören und sich nicht vor den vielen neuen Baustellen zu gruseln, sondern sie mit einer großen Portion Gottvertrauen anzugehen. Das Motto der evangelischen Kirche zur Fastenzeit heißt in diesem Jahr 'Sieben Wochen ohne Pessimismus'. Diese kurze Zeitspanne wird der neuen Bischöfin kaum genügen. (Carla Ihle-Becker) +++