Haarlose Schönheit

Glatt wie ein Babypopo: Waxing verleiht in der Domstadt urbanes Lebensgefühl

Juliette Renner beim Wachserhitzen
Fotos: Marius Auth

16.01.2020 / FULDA - Den Körper mit Zucker oder Wachs enthaaren, das ist in südeuropäischen Ländern für Frauen seit jeher Bestandteil der Körperhygiene. US-Serien wie "Sex and the City" haben das Waxing ins Bewusstsein deutscher Frauen gebracht, inzwischen ist das Versprechen haarloser Schönheit auch in Fulda angekommen.


Juliette Renner steht am Wachstopf und regelt die Temperatur nach oben. Langsam wird die grüne Substanz flüssig und zieht am Spatel lange Schlieren. Schokolinsengroße Kügelchen in bunten Farben stehen in Gläsern bereit: Die Kosmetikindustrie hat über die Jahre eine Fülle von Chemikalien entwickelt, die selbst Allergikerhaut nicht überfordern. Dass es auch einfacher geht, daran erinnert sich Renner noch ganz gut: "Ich komme aus Saranda, das ist das Rio de Janeiro Albaniens, direkt am Meer gelegen. Meine Oma hat früher aus Zucker, Zitrone und Wasser eine Paste angerührt, die wurde direkt auf die Haut aufgetragen und dann abgerissen, wenn sie ausgehärtet war. Das hat anfangs wehgetan, aber man gewöhnt sich dran. In Griechenland, Spanien oder Albanien ist es immer noch normal, dass junge Frauen den Intimbereich enthaaren, wenn sie heiraten. Das gilt als hygienisch und ästhetisch - behaart wäre ein echter Fauxpas. Aber auch andere Körperregionen, vor allem Unterarme, Unterschenkel und das Gesicht müssen haarlos sein, dafür nimmt man als Frau einiges auf sich: Nach drei bis vier Wochen muss wieder enthaart werden, das ganze Leben lang."

Renner, die ihren Salon "Te' Dea Waxing Göttin" in der Löherstraße im September 2018 eröffnet hat, sieht auch bei den Einheimischen ein langsames Umdenken: "Vor 20 Jahren hätte ein Waxing-Salon in Fulda keine Chance gehabt: Enthaarung beim Profi war unbekannt, genau wie die Rasur beim Barbier bei den Männern. 40 Prozent meiner Kundinnen stammt aus Ländern, in denen sowas ohnehin normal ist - neben südeuropäischen Ländern sind das die Ukraine, Russland, aber auch asiatische Länder. 10 Prozent der Kundinnen sind junge Deutsche, die Waxing aus großen Städten kennen und froh sind, so ein Angebot auch in Fulda zu finden, nachdem sie hierhergezogen sind. Die restlichen 50 Prozent sind neugierig, wenn sie hier vorbeilaufen und wollen einfach wissen, wie groß der Aufwand ist, ob es wehtut - solche Sachen." Um die Körperhaare samt Wurzel mit Wachs zu entfernen, stehen Hartwachsmethode und Weichwachsmethode zur Verfügung: Beim Hartwachs wird das flüssige Wachs direkt auf die Körperregion aufgetragen und mitsamt den Haaren abgezogen, wenn es ausgehärtet ist. Weichwachs benötigt einen Fleecestreifen, der auf das Wachs aufgetragen wird, danach kann das Haar entfernt werden.

"Weichwachs, vor allem das Abreißen vom Fleecestreifen, wie das auch gerne mal humorvoll in TV-Serien gezeigt wird, ist der Grund für die Vorstellung, dass Waxing schmerzhaft ist. Für große Flächen, vor allem am Rücken, ist es aber weiterhin die beste Wahl. Hartwachs ist vor allem beim Gesicht, den Achseln und im Bikinibereich sinnvoll, da es sehr sanft ist und mehrmals auf derselben Stelle angewendet werden kann. Es funktioniert auch bei empfindlicher Haut und hat dazu beigetragen, dass Waxing in letzter Zeit bekannter geworden ist." Trotz moderner Entwicklungen wie Polyamidwachs ist Waxing weiterhin zeitaufwendig: Allein für eine Haarentfernung auf den Armen sind rund 30 Minuten zu veranschlagen. "Viele Frauen lassen sich Arme und Beine auch nur im Sommer enthaaren, Intimfrisuren dagegen sind das ganze Jahr über populär: Herz, Apfel oder Initialen, das sind moderne Entwicklungen. Häufig will der Partner es nach anfänglicher Skepsis auch nicht mehr missen, wenn die Frau etwa im Hollywood-Style im Intimbereich komplett enthaart ist. Mit dem Alter kommt da allerdings die Gelassenheit: Meine Kundinnen sind nicht älter als 50 - danach muss man eben niemanden mehr beeindrucken." (mau) +++

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