Ansätze gegen Fachkräftemangel

Alarmierenden Grundkoordinaten des Arbeitsmarktes etwas entgegensetzen

Katharina Barth, Dr. Christa Larsen, Matthias Steckenreuter und Thomas Schaumberg informierten über den Fachkräftemangel im Vogelsberg und Wege aus der Krise.
Fotos: Traudi Schlitt

03.12.2019 / ALSFELD - Es war ein Abend für die Vogelsberger Unternehmerschaft, eine Möglichkeit zum Austausch, eine Gelegenheit; aktuelle Arbeitsmarkttrends in der Region zu diskutieren und nicht zuletzt den einen oder anderen Lösungsansatz mit nachhause zu nehmen. Eingeladen hatte das Unternehmensnetz Vogelsberg, eine Einrichtung der Vogelsberg Consult GmbH; als Referentin war Dr. Christa Larsen vom IWAK (Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universität Frankfurt) nach Alsfeld in die Villa Raab gekommen. Ihr Institut liefert seit 2010 regelmäßig Zahlen zur regionalen Beschäftigungsprognose und zur Bedeutung des demografischen Wandels.

Ein Thema, das auch die Vogelsberger Firmen beschäftigt: Gut sechzig Unternehmerinnen und Unternehmer, Geschäftsführende und Betriebsinhaber waren der Einladung gefolgt, ebenso wie Dr. Jens Mischak, Erster Kreisbeigeordneter und Wirtschaftsdezernent.

Bis 2024 werden 6.450 Arbeitskräfte fehlen, der größte Teil – 5.240 Arbeitnehmer - mit Berufsausbildung, ein kleinerer Teil ohne Berufsausbildung und ebenfalls ein kleiner Teil mit Hochschulabschluss. Bemühungen, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssten sich also offensichtlich auf Personen mit Berufsabschluss fokussieren. Als Ursachen für die Engpässe machte die Expertin zu einem großen Teil den altersbedingen Ersatzbedarf aus. Diese Zahl habe sich im Lauf der Betrachtung seit 2010 von 3.190 auf zu erwartende 8.270 sehr dynamisch entwickelt, führte Larsen aus – ihr Fazit: „Die Grundkoordinaten des Arbeitsmarktes sind alarmierend. Die Lücke ist groß.“ Waren frühere Fachkräftemängel konjunkturbedingt, so seien sie jetzt das Ergebnis der Verrentung. Kreisweite Anstrengungen seien erforderlich, damit die Region lebensfähig bleibe.

Als Möglichkeit, dieser Entwicklung Herr zu werden, müssten die Unternehmen ihr betriebliches Verhalten ändern, lautete ein Rat der Expertin. Zusätzlich zu großen Anstrengungen im Ausbildungsbereich könnten Menschen mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen länger in Arbeit gehalten werden, so ein Vorschlag Larsens. Man müsse sich darum bemühen, Akademiker wieder zurückzuholen. Die Familienphase, in der es darum gehe, Lebensqualität für die Familie zu schaffen, biete sich hier an. Mit Blick auf die einzelnen Branchen wie beispielsweise die Logistik, in der viele Helfer beschäftigt sind, rät sie zur Weiterqualifikation der bereits beschäftigten Mitarbeiter.

In den im Vogelsberg in Rede stehenden Berufen sind deutlich mehr Männer beschäftigt. Kontinuität könne daher auch mit der Beschäftigung von Frauen erreicht werden. „Frauen sind eine große Ressource“, appellierte die Rednerin an die Unternehmen, auch für Frauen passende Arbeitszeit- und Kinderbetreuungsmodelle bereitzustellen. Als besonders kritischen Bereich identifizierte Larsen die Pflege. Hier sei ein doppelter negativer Effekt zu erwarten: Die Menschen werden immer älter, auch Pflegekräfte steigen aus dem Beruf aus, und es gibt zu wenig Nachwuchs. Um hier vorzubeugen sei Ausbildung die zentrale Strategie. Man müsse Ausbildungsabbrüche vermeiden und Helfer nachqualifizieren. Mit Blick auf die zunehmende Akademisierung junger Menschen sprach Larsen sich für das Duale Ausbildungsintegrierte Studium aus. 

Die regen Diskussionen am Ende des Abends zeigten, dass sich wohl alle Unternehmen im Kreis mit diesem Thema schon auseinandergesetzt haben und sich gerne mit anderen Firmen in der Region austauschen – laut Larsen und Schaumberg ein erster Schritt in die richtige Richtung. Weitere Informationen zu den einzelnen Handlungsfeldern gibt es unter www.vogelsberg-consult.de, sowie unter www.weiterbildung-vogelsberg.de. (pm)+++