Erfolgreiche Gefahrgutübung

Bewusstlose Person fährt mit Gabelstapler in Chemikalientank

Die Feuerwehr Bad Salzschlirf übte den Ernstfall
Fotos: Feuerwehr Bad Salzschlirf

08.11.2019 / BAD SALZSCHLIRF - Auf einem Betriebsgelände in Bad Salzschlirf kam es am späten Nachmittag zu einem "Chemieunfall mit Personenschaden", das war die Ausgangslage einer Übung bei der Firma Hotrega. Hier probte die Gefahrguteinheit West des Landkreises Fulda, bestehend aus den Feuerwehren der Gemeinde Bad Salzschlirf und Großenlüder, den Ernstfall. 
 
Der mit dem Einsatzleitwagen anrückende stellvertretende Gemeindebrandinspektor Christian Schlei, der die Einsatzleitung innehatte, bekam erste Informationen zu dem „Unfall“ von dem Brandschutzbeauftraggten der Langgroup Christian Bornträger, von dem er in Empfang genommen wurde. Es sei ein Gabelstaplerfahrer bewusstlos geworden und in Folge in ein sogenanntes IBC (1.000 Liter fassende Chemiekalienbehälter) gefahren. Dadurch sei der Behälter beschädigt worden und eine Flüssigkeit würde auslaufen. Da Menschenleben in Gefahr gewesen ist, wurden sofort zwei Trupps mit Atemschutz beauftragt, die Rettung und Notdekontamination der Person einzuleiten. Zudem wurde die auf dem IBC angegebene Stoffnummer der Einsatzleitung übermittelt, sodass hier durch die Einsatzleitung weitere Informationen zu dem auslaufenden Medium herausgesucht werden konnten.

In 50 Metern Entfernung zu der Unglücksstelle wurde von den Einsatzkräften der Dekontaminationsplatz aufgebaut, an dem sich CSA-Träger (Atemschutzgeräteträger mit Chemikalien-Schutz-Anzügen) für ihren Einsatz bereit machten. Weitere Kräfte bereiteten am Gerätewagen Gefahrgut Einsatzmittel, wie Dichtmaterial, Auffangwannen et cetera vor, die die CSA-Träger für ihren Einsatz benötigten. Mehrere CSA-Trupps wurden dann eingesetzt, um die auslaufenden Chemikalien in Behältern aufzufangen und das beschädigte IBC abzudichten. Parallel dazu evakuierten Einsatzkräfte Mitarbeiter aus der Produktionshalle. Mit einem von der Firma Hotrega vorgelegten Kanalisationsplan konnte dann festgestellt werden, in welchen Kanal und in welche Richtung die bereits ausgelaufene Chemie geflossen ist. Hier wurde ein Trupp unter Atemschutz eingesetzt, der ein Rohrdichtkissen in dem betroffenen Kanal einsetzte und diesen somit abdichtete. 
 
Ziel der Übung war die kontinuierliche praxisnahe Ausbildung sowie die Verbesserung der Ortskenntnis im Betrieb der Firma Hotrega. Die G-ABC-Zugführer der Gefahrguteinheit Fulda West Andreas Waldmann und Simon Wohletz, die die Übung geplant und beobachtet haben, lobten die gute Zusammenarbeit der Feuerwehren von Bad Salzschlirf, Großenlüder-Mitte, -Bimbach und –Lütterz. Die Aufgaben seien alle gut und zügig bearbeitet worden. Sie gaben wichtige Anregungen, die noch verbessert werden können und worauf besonders zu achten ist. 
Der Brandschutzbeauftragte der Langroup Christian Bornträger schloss sich seinen Vorrednern an und gab noch detaillierte Hinweise für die Einsatzkräfte zum Standort Hotrega in Bad Salzschlirf. Seit der letzten Übung seien hier alleine in den vergangenen Jahren Millionen in den Neubau von Hallen, Produktionsanlagen, Brand- und Umweltschutz investiert worden. So finden sich mittlerweile in insgesamt drei Lagerhallen Löschwasser- und Chemikalienrückhaltesysteme. So könne im Brand- und/oder Havariefall insgesamt über 1.300 Kubikmeter an flüssigen Medien aufgefangen werden, um eine Gefährdung der Umwelt auszuschließen. Die Einsatzkräfte konnten sich im Anschluss an die Übung ein Bild dieser Einrichtungen machen. 

Die geschäftsführende Gesellschafterin der Firma Hotrega Simone Lang dankte allen Einsatzkräften und teilnehmenden Mitarbeitern für das Durchführen der Übung. Es sei sehr interessant, was für Aufgebot und Kenntnisse nötig seien, um eine solche Übung oder auch Einsätze zu absolvieren – und dies alles ehrenamtlich. Im Anschluss lud Lang alle Beteiligten zu Würstchen und Getränken ein, so dass auch noch Zeit für ein paar Gespräche in lockerer Runde möglich waren. Der Bürgermeister von Bad Salzschlirf Matthias Kübel und sein Amtskollege von Großenlüder Werner Dietrich konnten ebenfalls bei der Übung begrüßt werden. Auch sie wollten sich ein Bild vom Ausbildungsstand ihrer Einsatzkräfte machen. (pm) +++