Dreck und Lärm satt

Anwohner in der Liobastraße leiden unter Riesen-Baustelle

So soll der Neubau am Schlossgarten aussehen.
Foto: Sturm und Wartzeck

14.08.2017 / FULDA - Baustellen bedeuten zweifellos Dreck und Lärm. An dieser Tatsache lässt sich nichts beschönigen. Die rund 60 Anwohner der Fuldaer An der Waides/Liobastraße trifft es zur Zeit besonders hart, denn dicke Baulaster fahren gerade dauernd durch die sonst so stille beschauliche Ecke. Das Siedlungswerk Fulda lässt hier einen Neubau für 42 Wohneinheiten auf einer Tiefgarage errichten, die in drei baugleiche so genannte Punkthäuser und einen angrenzenden Bauriegel aufgeteilt sind. Das 12 Millionen Projekt steht auf "dem teuersten Grundstück, das je in Fulda  verkauft wurde", weiß ein Insider. Wen wundert es da, dass der Investor versucht, so viele wie nur mögliche Wohneinheiten auf engstem Raum unterzubringen, um auf seine Kosten zu kommen.

"Wir sind ja nicht grundsätzlich dagegen, dass hier gebaut wird - und innenstadtnahe Wohnungen werden definitiv gebraucht", sagt Rudolf Fiedler. Der 47-Jährige fungiert als Sprecher der Anwohnerinitiative, die sich quasi in Notwehr gegründet hat. Gründe zur Klage gegen die Ausführung des Bauvorhabens gebe es ein Menge. "Hier wurde schon im Januar zu bauen begonnen, obwohl die Baugenehmigung erst im März erteilt wurde. Deswegen haben wir einen Rechtsanwalt beauftragt, uns zu vertreten. Der hat Widerspruch gegen die erteilte Baugenehmigung eingelegt." Vor allem die Größe und Höhe des Neubaus stört die künftigen Nachbarn gewaltig. Kein anderes Gebäude in der Umgebung habe fünf Geschosse, deshalb sei der Komplex " ein überdimensionaler Ausreißer" in direkter Nähe zum Schlossgarten und Barockviertel, heißt es in dem Widerspruch. Das hintere lange Gebäude füge sich nicht in die Flucht der Straße ein, die bisherige Sichtachse auf den Fuldaer Dom werde verdeckt. 

Doch die Optik der künftigen Nachbarbebauung ist es nicht allein, die die Anwohner auf die Barrikaden treibt. Sie befürchten, dass die bisherige Kanalisation durch den Zuwachs von rund zwei Drittel mehr Bewohnern den Abwassermengen nicht mehr gewachsen sein wird, und dann zu Lasten der Allgemeinheit vom Abwasserverband angepasst werden müsse. Außerdem sei die Belästigung durch die Baustelle unerträglich, die 36-Tonner der Baufirma donnerten in rasantem Tempo durch die einspurige Straße und nutzten dafür den Bürgersteig, der diesem Druck nicht gewachsen und bereits erheblich beschädigt worden sei. 

"Uns wurde von Seiten der Stadt bereits signalisiert, dass wir als Anwohner anschließend für die Wiederherstellung der Straße zur Kasse gebeten werden", empört sich deren Sprecher. Wenn uns die Stadt die Rechnung schickt, dann kracht es richtig, dagegen werden wir mit Sammelklagen vorgehen", kündigt er vorsorglich an.

Die Haltung der Stadt zu diesen geballten Beschwerden sei unbefriediegend: "Unsere schriftlichen Anfragen und Einsprüche wurden einfach nicht beantwortet oder als unbegründet abgewehrt. Wir fordern Transparenz und fortlaufende Informationen während der Baumaßnahme und eine Berücksichtigung unserer berechtigten Einwände." Es gebe ja noch nicht mal ein Baustellenschild, auf dem - wie gesetzlich verbindlich vorgeschrieben - stehe, wer Bauherr, Bauleitung und ausführender Architekt sei. "Und das ist noch das kleinste Übel", klagt der Sprecher.

 O|N hat die Stadt Fulda um Stellungnahme gebeten, die wir in einem eigenen Artikel veröffentlichen werden. (Carla Ihle-Becker)+++





Ansicht von Südwesten Haus 3,4

Ansicht Nordost Haus 1,4

Die Laster prägen zur Zeit das Straßenbild
Fotos: privat


Der Bürgersteig ist schon stark in Mitleidenschaft gezogen