„WJ trifft ...“

Bodenständig und sympathisch: Ex-Borusse Sebastian Kehl in Fulda

Fuldaer Wurst für Sebastian Kehl (links) von Christoph Jahn. In der Mitte die Moderatoren Sabine Räth und Pascal Weß
Fotos: Jonas Wenzel

17.06.2017 / FULDA - Nach seiner aktiven Karriere ging er erst einmal auf Reisen. Sebastian Kehl wollte die Welt erkunden, bevor er seine Zukunftspläne angeht. Darüber und vieles mehr sprach der aus der Rhön stammende ehemalige Fußball-Profi am Freitagabend in Fulda.

Bodenständig, sympathisch, gesprächig – so präsentierte sich der gut gelaunte Sebastian Kehl am Freitagabend im Fuldaer Museumscafé. „WJ trifft“ heißt das Format der Wirtschaftsjunioren, das zum dritten Mal stattfand. Mit dem ehemaligen Fußball-Profi Kehl, der aus der Rhön-Gemeinde Tann stammt, konnten die Verantwortlichen diesmal ein „Kind der Region“ gewinnen. Und Kehl kam an.

110 Gäste folgten der Einladung der Wirtschaftsjunioren, das Museumscafé war gut besucht. Teilweise mussten die Gäste – passend zum Fußball – Stehplätze einnehmen. Und unter denen waren vereinzelt die Farben schwarz und gelb zu sehen. Die Farben von Kehls langjährigen Klub Borussia Dortmund, mit dem er dreimal deutscher Meister wurde. Logisch, dass der BVB im 90-minütigen Talk mit den Moderatoren Sabine Räth und Pascal Weß nicht zu kurz kam.

„Es ist heutzutage nicht mehr normal, 15 Jahre für einen Klub zu spielen. Darauf bin ich stolz“, sagte Kehl. Ausführlich gab der 37-Jährige Einblicke in seine Karriere, die beim SV Lahrbach begann und über Borussia Fulda und Hannover 96 in den Profi-Fußball führte. Beim SC Freiburg zum Bundeslig- und Nationalspieler geworden, reifte Kehl in Dortmund zum Kapitän und erlebte im Ruhrpott Höhen mit den Meisterschaften und Tiefen wie der gerade noch abgewendeten Insolvenz 2005.

Seine Laufbahn aber begann in der Region Osthessen, deren Fußball Kehl heute noch verfolgt – wenn auch nicht mehr so intensiv. Dass sein Ex-Verein Borussia Fulda gerade wieder bessere Zeiten erlebt, hat Sebastian Kehl aber registriert. „Ich denke, dass die Region höherklassigen Fußball vertragen kann. Der Standort ist top, aber das alleine reicht nicht“, sagte Kehl in Hinblick auf die Ambitionen, in Fulda möglichst Regionalliga-Fußball bieten zu wollen.

Kehl machte deutlich, dass er immer gerne zurück nach Fulda komme. „Das ist meine Heimat, hier bin ich gerne.“ Seine zweite Heimat aber sei Dortmund, wo er auch nach dem Karriereende mit seiner Familie lebt. Apropos Karriereende: 2015 hat Kehl die Schuhe an den Nagel gehängt und ist seitdem noch in einer Orientierungsphase. Manager? Oder doch lieber Trainer? „Ich weiß noch nicht genau, was ich in Zukunft machen werde“, sagt Kehl, der kürzlich in London den UEFA-Master-Studiengang Sportmanagement abgeschlossen hat und auch als TV-Experte im Einsatz. Klar scheint, dass er seine Zukunft im Fußball sieht.

„Das war für mich immer Leidenschaft und ich bin dankbar, dass ich mein Hobby zum Beruf machen durfte“, gab sich Kehl bescheiden. In 17 Jahren Profi-Fußball hat der Rhöner Jung‘ einiges erlebt und so manch Anekdote parat. „Es gab einen brasilianischen Mitspieler, der morgens anrief und meinte, er könne nicht zum Training kommen“, erzählt Kehl, „weil seine Autoscheibe kaputt sei. Es war Winter, aber die Scheibe war einfach nur vereist.“ Für diese Anekdote erntete der 37-Jährige viele Lacher.

Viel Applaus gab es hingegen für seine Meinung zum Thema Integration. Die Moderatoren wollten wissen, ob in einer Fußball-Mannschaft, in der viele Nationalitäten vereint sind, Englisch die Amtssprache sei. „In einem Team in Deutschland wird deutsch gesprochen“, entgegnete Kehl. „Wenn ich in ein neues Land komme, dann will ich doch die Sprache können. Ich will wissen, was der Bäcker zu mir sagt oder in der Zeitung steht.“ Kehl nannte seinen ehemaligen Mitspieler Christoph Metzelder als lobendes Beispiel, der nach seinem Wechsel zu Real Madrid seine erste Presskonferenz auf Spanisch hielt.

Wie steht Kehl zu den sozialen Medien? Wie geht man mit Rückschlägen um? Wo hat es ihm auf seiner Weltreise am besten gefallen? In den anderthalb Stunden, die teilweise etwas langatmig waren, wurden viele Themen abgearbeitet. Kehl aber blieb auch bei den längsten Fragen geduldig und zeigte einen sympathischen Auftritt in der Heimat. Auch der schockierende Anschlag auf den BVB-Bus im April wurde thematisiert. „Ich habe mir oft die Frage gestellt: ‚Was wäre gewesen, wenn Du dort gesessen wärst?‘“ Da merke man, dass Fußball eben nicht alles im Leben sei.

Der Sportart mit dem runden Leder wird Sebastian Kehl aber vermutlich erhalten bleiben. Nachdem der Talk vorbei war und das Publikum seine Fragen gestellt hat, antwortete Kehl noch einmal auf seine Zukunftspläne angesprochen: „Um mich braucht man sich keine Sorgen machen.“ (Tobias Herrling) +++

Sebastian Kehl (hinten links) war am Freitagabend zu Gast in Fulda
Fotos: Jonas Wenzel


Christoph Jahn von den Wirtschaftsjunioren

Sabine Räth (rechts) moderierte die Veranstaltung ...

Gemeinsam mit Pascal Weß (rechts)