Alle Jahre wieder - Frauentag am 08. März

Frauenfest im schönen Ambiente - es ist viel erreicht worden


Fotos: Gudrun Schmidl

09.03.2017 / BAD HERSFELD -
Mit einem bunten Mix aus Kunst und Kultur, Kreativität und Power gestaltet das Frauennetzwerk Hersfeld-Rotenburg die diesjährigen Frauenkulturwochen. Höhepunkt ist wie immer das Frauenfest, das am Mittwoch zum zweiten Mal in der Residenz Ambiente gefeiert wurde. Tag genau am Internationalen Frauentag, an dem weltweit zahlreiche Organisationen die volle soziale, wirtschaftliche, kulturelle und politische Gleichstellung von Frauen fordern. Anke Zilch als Mitglied des Kreisausschusses begrüßte in Vertretung von der Ersten Kreisbeigeordneten Elke Künholz die zahlreich erschienenen Frauen und ließ die Entwicklung des Frauentages Revue passieren.

Der Internationale Frauentag hat eine lange Tradition. Die deutsche Sozialdemokratin Clara Zetkin (1857-1933) schlug im Kampf um Gleichberechtigung und Wahlrecht die Einführung eines solchen Tages vor, ohne jedoch ein bestimmtes Datum zu favorisieren. Die Idee dazu kam aus den USA. Dort hatten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet, welches beschloss, einen besonderen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Der erste Frauentag in Deutschland wurde am 19. März 1911 gefeiert, seit 1921 immer am 08. März.

Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Ute Boersch bekräftigt: „Den Frauentag brauchen wir auf jeden Fall noch“ und beantwortet damit die an sie gestellte Frage. Sie stellt gleichzeitig fest: „Es ist viel erreicht worden. Hart erkämpft von Frauen“. Es ist positiv, dass die Frauen in Deutschland ihren Lebensweg in Freiheit entscheiden und ihr Potential durchaus nutzen können. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie scheitert dennoch oft an nicht familiengerechten Arbeitszeiten, fehlenden Krippen- und Kitaplätzen oder an der fehlenden Unterstützung in der Partnerschaft. Frauen in gut bezahlten Jobs muss man weiterhin wie die Stecknadel im Heu suchen. Außerdem werden Frauen in gleichwertigen Jobs noch immer schlechter bezahlt als Männer. Viele Frauen arbeiten in Teilzeit, was sich nachteilig auf die spätere Rente auswirkt.

Sabine Koch, die wie immer durch das Programm führte, merkte mit diesem Wissen an: „Wir müssen weiter feiern. Gleichberechtigung haben wir ja noch nicht“. Das Fest für die Frauen mit einem reich bestückten internationalen Buffet für den kulinarischen Genuss und einem abwechslungsreichen Programm für die Seele wurde von Antje Fey-Spengler am Saxophon und Martina Krüger am Klavier stimmungsvoll eröffnet.
Barbara Dibowski forderte alle tanzwilligen Frauen im Saal zum gemeinsamen Tanz „Spreng die Ketten“ auf, der bei der diesjährigen, weltweiten „One-Billion-Rising“-Aktion auf dem Rathausplatz in Bad Hersfeld aufgeführt wurde, um auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen. Weitere an der Aktion beteiligte „Vortänzerinnen“ waren ebenfalls dabei.

Susan Jauernig erfreute mit ihrem Sologesang und Pantomime. Emily und Rudko waren die jüngsten Künstler, die jemals bei einem Frauenfest in Bad Hersfeld aufgetreten sind. Sie bekamen viel Applaus für ihre Liedbeiträge, die sie auf der Violine und dem E-Piano vortrugen. Die Gruppe „Angklung“ unter der Leitung von Susan Bernstein begeisterte mit Bambus-Instrumenten, die ganz einfach nach Zahlen zu spielen sind und mit vielen Mitspielern ein großartiges Klangerlebnis erzeugen. Ein wunderbares Hörerlebnis mit Zupfinstrumenten bot der Gitarrentreff Niederaula, der von Lydia Wagner geleitet wird. Eine Bereicherung des Programms war auf jeden Fall die Theatergruppe der Konrad-Duden-Schule in Begleitung ihrer Lehrerin Andrea Exner, die mit Loriot-Sketchen zum Motto „Mann trifft Frau“ amüsierte. Tanzgruppen traten an diesem Abend nicht auf. Aus gutem Grund. Am Mittwoch, 15. März 2017, lädt das Frauennetzwerk zu einem Tanzspaß in das Buchcafé in Bad Hersfeld, Am Brink 11, ein. Ab 18.00 Uhr zeigen fünf Tanzgruppen ihr Können und laden zum Mitmachen ein.

Das Frauenfest in der Residenz Ambiente wurde generationenübergreifend gefeiert. Einige Bewohnerinnen, die ihre Gäste durch ihre Anwesenheit willkommen hießen und dem Programm viel Aufmerksamkeit schenkten, gehören genau wie die Seniorentanzgruppe aus Bad Hersfeld mit ihrer Leiterin Christa Greiner zu einer Frauengeneration, die von den ungeahnten Veränderungen, die unsere Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten erlebte, nur eingeschränkt profitieren konnte.
Angesichts aller großen Zukunftsfragen in einer scheinbar aus den Fugen geratenen Welt mit vielen unfreien und unterentwickelten Gesellschaften, wo Männer die Frauen aus meist religiösen Gründen unterdrücken, wird der Internationale Frauentag, national betrachtet, ein Nebenschauplatz. Doch auch auf Nebenschauplätzen lohnt es sich zu kämpfen – solange wie nötig. Das weitere Programm der Frauenkulturwochen ist unter www.hef-rof.de/landratsamt/frauen gleichstellung/frauenkulturwochen
abzurufen. (Gudrun Schmidl) +++






Antje Fey-Spengler (rechts) und Martina Krüger

Sabine Koch übernahm die\r\nModeration

Ute Boersch, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises



Die Gruppe \"Angklung\"

Barbara Dibowski (vorn links)\r\nübte die Choreografie ein

Susan Bernstein erklärt die\r\nBambus-Instrumente







Wann ist der Mann ein Mann? Eines von mehreren Kunstwerken der Hersfelder Künstlerin Maria Wieczorek, die die Wände der Residenz Ambiente zieren.







Susan Jauernig