Kinder- und Jugendtheater-Woche
Durchgebrannte Pürierstäbe haben ihr Ziel erreicht
Die „Durchgebrannten Pürierstäbe“ tanzen Sirtaki
08.06.2016 / BAD HERSFELD -
Eingebettet in den neuen Fachbereich Generationen veranstaltet die Stadtjugendpflege Bad Hersfeld in dieser Woche zum 14. Mal die „Kleinen Festspiele“. Das hochkarätige Programm für alle Altersklassen und für jeden Geschmack wurde am Montag von dem Buchfink-Theater aus Göttingen eröffnet, das Kindergartenkinder ab 3 Jahren ansprach. Abends rockten „Die Durchgebrannten Pürierstäbe“ die Bühne des Buchcafés. Vor vollem Haus zeigten die „Eigengewächse“ der Stadtjugendpflege ihr neues Stück „Sie haben ihr Ziel erreicht!“ Ein Jahr lang waren die kreativen Theatermacher rund um die Spielleiter Edgar Steube und Clara Steube auf der Suche nach Bildern aus dem Leben für den satirischen Reisebericht zwischen „All inklusive“ und Abenteuer, einer Reise nach innen, aber auch Begegnungen mit interessanten oder uninteressanten Menschen. „Wir kommen aus der Impro“, erläutert Edgar Steube die Spielweise, der mit seiner Tochter Clara eine ausgezeichnete Impro-Spielerin an der Seite hat, die unbestritten die Trainerin der talentierten Theatergruppe ist. „Ohne Clara ginge das nie und nimmer“, bekräftigt der Papa mit berechtigtem Stolz.Menschen reisen zu unterschiedlichen Zielen und jeder hat seinen eigenen Koffer dabei. Schweres oder leichtes Gepäck. Das ließ Raum für vielerlei Interpretation und ermöglichte den Zuschauern, mit den spielfreudigen Frauen und Männern die Berge der Erkenntnis zu erklimmen und die Schluchten der Vorurteile zu durchwandern. Dabei begegneten sie unter anderem Herrn Pechvogel (Christopher Seban), der seinen Dienst ausschließlich an Kasse 1 mit großem Eifer verrichtet, leider nicht zur Zufriedenheit seines Chefs (Jonas Orf). Anleihen aus verschiedenen Werbespots „Wir lieben Lebensmittel“ oder Dafür stehe ich mit meinem Namen“ unterstrichen das Leiden der beleidigten Banane, die sich über Herrn Pechvogel beschwert. Die Zuschauer lernen Günni (Edgar Steube) kennen, der vor dem Laden wohnt und sich in diesem seit 25 Jahren sein hochprozentiges Mittagessen besorgt. Wie einsam muss ein Mensch sein, wenn er „Siri“ einen Heiratsantrag macht, die ihn zu seinem Leidwesen aber nicht richtig verstehen konnte oder wollte.
Als eine absolut geniale Veralberung der zahlreichen Kochsendungen entpuppte sich das überaus witzig gespielte Prominenten-Dinner. Das Menü des Tages bestand aus Bockwurst, Toastbrot und Senf und wurde einigen Glücklichen im Publikum serviert. Bei der Talkrunde „Brisant oder uninteressant“ traf Olaf aus den neuen Bundesländern, der seinen „rechten Senf“ dazu gab, auf Flüchtling Ali aus Syrien, der in Erklärungsnot geriet. Äußerst gelungen der Umgang mit dem ernsten Thema Fremdenfeindlichkeit, das dennoch humorvoll und sächselnd umgesetzt wurde. Krasse gegensätzliche Meinungen prallen aufeinander, erst ein „Rosenkohl-Kartoffel-Döner“ verbindet die beiden Männer unterschiedlicher Kulturen.
Freunde treffen sich, doch nur einer redet. Die anderen starren in ihre Smartphones und beschäftigen sich mit „Google“, der leibhaftig anwesend ist. Hysterie bricht aus, als die entsetzte Frage: „Habt ihr Netz?“ im Raum steht. Magisch wurde es, als Aladin (Dogukan Kasim) auf die Bühne kommt und schier unglaubliche Zaubertricks und seinen durchtrainierten Body vorführt. Einzelne lustige, ernste, verrückte, traurige, nachdenklich machende Szenen reihen sich aneinander, kurze Umbauphasen werden mit lustigen Einspielern und selbst gedrehten Filmen, bei denen auch mit optischen Täuschungen gearbeitet wurde, auf großer Leinwand überbrückt. Das allein war schon großes Kino.
Die Protagonisten auf der Bühne wurden den großen Erwartungen an sie wieder mehr als gerecht. Sie sind Garant für ein Theatererlebnis der besonderen Art und tolle Repräsentanten der Theaterstadt Bad Hersfeld. Zum guten Schluss packten sie ihre Koffer und nahmen mit …. lautes Gelächter, zustimmendes Nicken, viel Szenenapplaus und frenetischen Schlussapplaus von ihrem begeisterten Publikum, das den anfangs simulierten „Flugzeugabsturz“ überlebt hat, weil wohl alle schwimmen konnten. Die eingeforderte Zugabe „improvisierten“ die „Durchgebrannten Pürierstäbe“.Bereits im Vorfeld wurden rund 1.400 Karten für alle Vorstellungen verkauft, die am Freitag mit dem Stück „Unter Fremden“ des Kölner Künstler Theaters unter Beteiligung der Gesamtschulen endet. Edgar Steube als Organisator legt die Aufführungen der „Berliner Stadtmusikanten“ allen Menschen mit Humor ans Herz. Das Theater Zitadelle aus Berlin gastiert mit dieser überaus witzigen Seniorengeschichte am Donnerstag mit zwei Aufführungen um 15:00 Uhr und 20:00 Uhr im Buchcafé. Für beide Termine gibt es noch Restkarten. Auch in diesem Jahr gewährt Joern Hinkel allen Interessierten in Echtzeit und live, wie unter seiner Regie eine Probe zu „Krabat“ stattfindet. Alle Interessierten sollten sich den Termin am Mittwoch, um 20:00 Uhr im Buchcafé bei freiem Eintritt vormerken. Es lohnt sich! (Gudrun Schmidl) +++