1.000 Euro futsch

Vermieter VOGT berichtet über dreisten Immobilienbetrug

Holger Vogt, Immobilienmakler
Foto: Toni Spangenberg

08.01.2016 / FULDA - Betrüger nutzen die Wohnungsnot in Fulda aus, um gutgläubige Menschen abzuzocken. Interessenten werden aufgefordert, Kaution und Miete ins Ausland zu überweisen, ohne die Wohnung jemals gesehen zu haben. OSTHESSEN|NEWS hat über die dreiste Masche der Betrüger berichtet. Jetzt hat sich Holger Vogt, ein Fuldaer Vermieter, bei uns gemeldet und erzählt, dass auch seine Firma unter den Betrügern leide.



Seit mittlerweile zwei Jahren beobachte Vogt, dass Bilder und Texte seiner Wohnungsannoncen eins zu eins in Fakeanzeigen auftauchen. In den letzten fünf Monaten hätten sich die Missbrauchsfälle gehäuft und seien seit November sprunghaft angestiegen. „Wir haben gerade im Dezember fast wöchentlich Fakeanzeigen bei Immobilienscout24 gemeldet.“ Die Betrugsfälle seien bisher bei keinem anderen Immobilienportal aufgetreten. „Oft denke ich mir bei solchen Anzeigen nichts Böses und gehe davon aus, dass sich der Mieter selbst einen Nachmieter sucht.“ Vogt werde aber häufig bei den in den Anzeigen angegebenen Namen stutzig. Er berichtet von einem Fall, bei dem er den potenziellen Anbieter per E-Mail angeschrieben habe: „Dann bekam ich eine Standardantwort, wie in Ihrem Artikel geschildert. Ich habe sofort gewusst, dass das ein Fake ist.“

Er habe auch schon Anrufe seiner Mieter in der Goethestraße bekommen, dass Wohnungsinteressenten vor Ort gewesen seien, um zu erfahren, wer der Eigentümer der online angebotenen Wohnung sei. „Das ist schon komisch. Warum sollte jemand bei einem Mieter nach freien Wohnungen fragen? Ich hatte auch schon den Fall, dass mich Leute angerufen haben, weil sie dachten, die Anzeige stammt von mir.“ Die Wohnungen würden dann circa 40 Prozent günstiger angeboten als Vogts Originale. Das sorge tendenziell für fallende Preise und schade daher dem Geschäft.

Ihm seien auch Fälle bekannt, in denen die Interessenten tatsächlich die rund 1.000 Euro nach England überwiesen hätten. „Bei einer Besichtigung hat mir eine Interessentin von einer Wohnung im Wallweg erzählt, für die sie die Kaution und erste Miete überwiesen habe. Das Ganze ist jetzt vier bis sechs Wochen her. Ich meine die Mails sind schon gut gemacht. Wenn man nur ein bisschen gutgläubig ist und zu viel Vertrauen in die Anbieter hat, kann man auch mal auf sowas reinfallen. Die Wohnungen sind ja auch wirklich charmant. Da würde ich selber einziehen.“ Vogt höre immer wieder von Menschen, die auf die dreiste Betrugsmasche reinfallen.

Er empfiehlt allen Wohnungsuchenden stutzig zu werden, wenn eine Wohnung besonders günstig erscheint. Wichtig sei vor allem ein persönlicher Kontakt, zunächst über das Telefon, um ein Gefühl von dem Anbieter zu bekommen. Auf keinen Fall solle man Geld überweisen, ohne etwas in der Hand zu haben. Zahlt man die Kaution in Bar, solle man immer auf eine Quittung bestehen. (Toni Spangenberg) +++

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